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Texte von Arn Strohmeyer

Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE  

 

Ist Israel ein verrückter Staat?

Der frühere Schweizer Diplomat Kurt O. Wyss prangert in einem provokativen Buch die zionistische Politik gegenüber den Palästinensern an

Arn Strohmeyer

Diplomaten äußern sich zu politischen Streitfragen in der Regel eher zurückhaltend und staatstragend – eben „diplomatisch“, wobei persönliche Ansichten keine Rolle spielen dürfen. Eine rühmliche Ausnahme von diesem Grundsatz macht da der Schweizer Ex-Diplomat Kurt O. Wyss, der Jahrzehnte lang im auswärtigen Dienst seines Landes tätig war – u.a. auch in den Botschaften in Ankara und Damaskus. Er kennt also den Nahen Osten bestens aus eigener Erfahrung und weiß sehr genau, was er in seinem Buch „Wir haben nur dieses Land. Der Israel-Palästinenser-Streit als Mutter aller Nahost-Konflikte“ schreibt. Der Autor redet nicht um die Sache herum, seine Kritik an der israelischen Politik ist klar, eindeutig und gut belegt, und seine Sympathien gelten nicht den „Opfern“, die sich ständig als solche bezeichnen und daraus ihre unbeschränkte Handlungsfreiheit ableiten, sondern den wirklichen Opfern in dieser Auseinandersetzung: den Palästinensern.

Wyss fragt in einem Kapitel ganz ernsthaft, ob Israel ein „verrückter Staat“ ist. Das klingt provozierend, soll es sicher auch sein. Man muss aber gar nicht unbedingt Aussagen von Siedlern (der neuen mächtigen Schicht im israelischen Establishment) – wie der Autor es tut – heranziehen, die davon schwärmen, dass Israel „ein wahnsinniger Staat“ sein soll, damit die Leute „begreifen, dass wir ein wildes Land sind, gefährlich für unsere Nachbarn, nicht normal“, durchaus in der Lage, „die Ölfelder abzufackeln“ oder „den dritten Weltkrieg zu beginnen, einfach nur so.“ Sollte Günter Grass mit seinem Israel-Gedicht doch nicht so ganz Unrecht gehabt haben?

Der Autor lässt auch den früheren Außenminister Avigdor Lieberman zu Wort kommen. Dieser Araberhasser kann offen dafür plädieren, die Palästinenser aus dem Westjordanland zu vertreiben – und auch die in Israel lebenden Palästinenser (immerhin 20 Prozent der israelischen Bevölkerung) gleich mit. Dieser Mann kann öffentlich bekennen, dass man den „Anderen“ (das sind nach israelischer Sprachregelung Araber und Palästinenser) Angst einjagen müsse, statt selbst in Angst leben zu müssen. Wie er sich das vorstellt, hat er hinzugefügt: „Israel muss ein für alle Mal verrücktspielen, um etwas zu ändern“, soll heißen: in der Region Ordnung schaffen. Ariel Sharon hat sich immer wieder ähnlich geäußert: „Sie [die „Anderen“] müssen Angst vor uns haben“, womit er das israelische Abschreckungskonzept rechtfertigte.

Solche Äußerungen gibt es von israelischen Spitzenpolitikern zu Hauf. So erklärte die als gemäßigt geltende israelische Außenministerin Tzipi Livni: „Israel ist ein Land, das durchdreht, wenn auf seine Bürger geschossen wird – und das ist gut so!“ Die Rechtsextremen, die früher in Israel als „Verrückte“ galten, sitzen heute im Kabinett von Benjamin Netanjahu an den Schaltstellen der Macht. Das Land ist deshalb auf einem sehr gefährlichen Weg. Das sehen auch einsichtige und aufgeklärte Israelis mit großer Sorge – wie etwa der frühere Präsident der Jewish Agency und Ex-Sprecher der Knesset Abraham Burg. Für ihn hat die „Erosion“ in der israelischen Gesellschaft schon begonnen. Wyss zitiert ihn mit der Worten: „Ihre [der extremen Rechten in Israel] kranke Sichtweise droht Israel zu zerreißen. Begriffe wie Vertreibung, Tod, Aushungern und Verfolgung gehören inzwischen zum politischen Dialog, und nicht einmal das Kabinett bildet darin eine Ausnahme. Ihre Stimmen sind laut und deutlich zu hören, oft vom Rednerpult der Knesset, wenn sie über Gaza, Judäa und Samaria und Südlibanon reden. Derselbe Geist, dieselben Worte und dieselbe Logik: Juden und Israelis sind zu Schlägern geworden.“ Und: „Oft habe ich das unbehagliche Gefühl, dass Israel gar nicht weiß, wie es ohne Konflikte leben soll. Ein friedliches, ruhiges Israel ohne plötzliche Ausbrüche von Ekstase, Melancholie und Hysterie wird es einfach nicht geben.“

Es liegt also etwas äußerst Tragisches und zugleich sehr Gefährliches in der Entwicklung dieses Staates, der von seiner Ideologie und Mentalität her nicht in der Lage ist, Zugeständnisse zu machen oder Kompromisse einzugehen, sondern nur die „Lösung“ der Gewalt kennt, weil immer die „Anderen“ schuld sind. Wyss beschreibt diesen sich immer wiederholenden Ablauf so:  „Solange man von Gerechtigkeit spricht und die Bevorzugung Israels meint, solange muss sich das blutige Szenario immer wieder von neuem abspielen: Die Militärmaschinerie des jüdischen Staates schlägt von Zeit zu Zeit das als bedrohlich empfundene palästinensische und arabische Gegenüber mit samt seiner Bevölkerungsbasis in die Unterwerfung und schafft eine trügerische Ruhe, womit die Israelis durchaus leben können.“ Frieden so verstanden bedeutet nicht Übereinkommen auf gleicher Augenhöhe und Versöhnung mit dem „Anderen“, sondern deren völlige Unterwerfung – der Preis für diese Nicht-Lösung ist aber die immer währende Fortsetzung des Konflikts. Permanenter Unfrieden eben.

Kurt O. Wyss untersucht das Phänomen Israel und den Konflikt mit den Palästinensern gründlich von allen Seiten und unter allen Aspekten: seiner Geschichte, den Besonderheiten der israelischen Gesellschaft, seiner zionistischen Ideologie, seiner Sicherheits- und Militärpolitik sowie seiner inneren Entwicklungen. Allein dieser Teil des Buches macht seine Lektüre schon wertvoll. Der stärkste Teil des Textes ist aber die Darstellung der israelischen Außenpolitik und ihrer Auswirkungen auf die Region. Hier vermittelt der ehemalige im Nahen Osten tätige Diplomat die tiefsten Einsichten und Kenntnisse. Seine Ausführungen zu diesem Themenbereich sind insofern hoch aktuell, weil sie die derzeitige chaotische Situation dort bestens erklären, die der Westen – besonders die USA und Israel, aber auch die EU-Staaten – in der Region mit ihrer Gewaltpolitik geschaffen haben.

Wyss untersucht dabei immer ganz besonders die Rolle, die Israel bei dieser Entwicklung gespielt hat. Gemäß dem alten zionistischen Prinzip „je zersplitterter der Feind desto besser für uns“ hat Israel von Anfang an versucht, die arabischen Nachbarstaaten zu schwächen, um so eine Neuordnung des Nahen Osten nach zionistischer Vorstellung zu erreichen. Der erste Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, hat sich öfter in dieser Weise geäußert, und Ariel Sharon hat das die „Wiederbelebung des Osmanischen Reiches“ genannt, womit er natürlich die israelische Hegemonie über die ganze Region meinte. Der erste israelische Außenminister, Moshe Sharett, hat überliefert, dass Ben Gurion und Moshe Dajan schon kurz nach der Staatsgründung den Libanon besetzen und dort ein den zionistischen Führern genehmes maronitisches Regime einsetzen wollten. Israels spätere Politik und Kriege dienten immer diesen expansionistischen Zielen.

Wyss belegt ausführlich, wie eng die Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen Neocons (der politischen Richtung, der auch Präsident George W. Bush angehörte) und Israel war und dass beide keineswegs eine Friedenslösung für den Nahen Osten anstrebten, sondern die Umgestaltung der Region zu einer pax americana-hebraica zum Ziel hatten. Auch wenn Bush mit pathetischer Rhetorik vom „Kampf gegen den Terror“ und von der „Demokratisierung der muslimischen Welt“ sprach, war das nichts als eine Tarnung von Machtinteressen. Wyss schreibt: „Als Teil einer Hidden Agenda galt es, die amerikanische Erdölversorgung sicherzustellen, und gleichzeitig sollte mit der Eliminierung des Regimes von Saddam Hussein dem befreundeten Israel der stärkste arabische Widersacher aus dem Weg geräumt werden, gleichsam als Voraussetzung für Fortschritte im israelisch-palästinensischen Konflikt.“

Israels Regierung und das Oberkommando der Armee standen voll hinter dem Krieg, den die USA 2003 im Irak führten. Peter Scholl-Latour hat schon damals angemerkt, dass der israelische Generalstab besser über die amerikanischen Irak-Pläne informiert gewesen sei als die NATO-Verbündeten. Die Israelis rieten zum „robusten Vorgehen“ im Irak. Opferzahlen spielten dabei keine Rolle. Israel versprach sich vom Sturz Saddam Husseins eine „Lösung“ des Konflikts mit den Palästinensern, weil diese dann einen starken Verbündeten verlieren würden und zu der Überzeugung kommen müssten, dass sich Gewalt nicht lohne. Israel ist also immer dabei, wenn die USA im Nahen und Mittleren Osten Krieg führen, auch wenn es gar nicht mit interveniert.

Das gilt auch für den gegenwärtigen Krieg in Syrien. Ein Zerfallen dieses Staates in ein Patchwork ethno-religiöser Gemeinschaften wie im Irak schon geschehen, wäre ganz im Sinne Israels. Wyss schreibt: „Die Schwächung dieser beiden arabischen Hauptfeinde des jüdischen Staates, die von den USA auf Betreiben Israels im Irak militärisch erzwungen wurde und in Syrien mit verdeckter Unterstützung der Aufständischen gefördert wird, soll mittel- und längerfristig dem jüdischen Staat zugutekommen. Die hegemoniale Stellung Israels wird verstärkt, was wiederum die Vorherrschaft über die einer nationalen Selbstbestimmung beraubten Palästinenser zementieren helfen soll. Diese Vorstellungen zeigen den expansionistischen Weg, den Israel seit dem Sechstagekrieg von 1967 gegangen ist. Die Grundkonzeption zielt auf ‚Hegemonie’. Israel ist mittlerweile ‚so stark geworden, dass es die Destabilisierung der gesamten Region avisieren kann.‘“

An der chaotischen Situation im Nahen Osten, die vor allem die amerikanische Gewaltpolitik dort angerichtet hat und die sich durch die Flüchtlingsströme auch massiv auf Europa auswirkt, hat also auch Israel seinen Anteil – auch wenn es nur im Hintergrund wirkt. Ob Israel diese Rolle gut bekommt und zu seinem Nutzen sein wird, bezweifelt der Autor zu Recht. Frieden in dieser so leidgeprüften Weltgegend kann es nur geben, so seine Voraussage, wenn Israel Abschied nimmt von der bisher vorherrschenden strategischen Doktrin, die die jüdische Vormacht als allein gültige Richtlinie im regionalen Umfeld sieht. Mit anderen Worten des Autors: Die islamische Welt wird gegenwärtig nur negativ wahrgenommen, sie wird ständig zu der Einsicht gezwungen, dass Israel tun und lassen kann, was es will. Aber einer pax hebraica wird sich die arabische Welt nicht fügen.

Wyss hofft auf einen israelischen Michail Gorbatschow, der die erstarrten Strukturen des zionistischen Staates und seiner Ideologie auflösen und das Land zur Friedensbereitschaft führen kann. Das Erscheinen eines solchen „Erlösers“, der Glasnost und Perestroika bringt, setzt aber im Vorfeld zumindest in Teilen der israelischen Gesellschaft einen Paradigmenwechsel und einen Bewusstseinswandel voraus, der aber – sieht man von der kleinen Minderheit des „anderen“, humanistisch-universalistisch gesinnten Israel ab – nirgends in Sicht ist. Das ist aber kein Einwand gegen den Autor, der mit großem Mut ein wichtiges, weil sehr aufklärerisches Buch über Israel geschrieben hat, das man nur weiter empfehlen kann.


Kurt O. Wyss, Wir haben nur dieses Land. Der Israel-Palästinenser-Streit als Mutter aller Nahostkonflikte, Stämpfli Verlag Bern. Die 2013 herausgekommene Erstausgabe ist vergriffen und neuerdings als "2., aktualisierte Ausgabe" in E-Book-Form unter ISBN 978-3-7272-1462-2 im Buchhandel (Amazon) und beim Verlag erhältlich.

14.10.2015

 

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