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Das Palästina Portal

Täglich neu - Nachrichten, Texte aus dem besetzen Palästina die in den deutschen Medien fehlen.

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Texte von Arn Strohmeyer

Plädoyer Ungleichheit der Menschen
Deutschland eine Bananenrepublik?
Situation derPalaestinenser unter zionistischer Besatzung
Ist Banksy ein Antisemit?
Streit um die Kasseler Documenta
Israel ein Apartheidstaat wie Südafrika?
Streit um die Kasseler Documenta
Rezension - Abraham Melzer-  Ich bin (k)ein Antisemit!
Afghanische Sanndalentraeger besiegten USA
Gemeinsame Werte mit einem Apartheidstaat?
Der Welt droht ein neuer Kalter Krieg
Die Antideutschen
Chefs des Springer-Konzerns Mathias Döpfner
„Apeirogon“ des irischen Autors Colum McCann
Lapid - Imagpflege, neue Einsichten?
„1984“ - israelische Cyber-Software“
BDS -  Hoffnung der Palästinenser“
Das Ende einer Illusion
Kampf gegen Windmühlenflügel
Die grüne Kanzlerkandidatin
Palästina in israelischen Schulbüchern
Die Nakba soll zu Ende gebracht werden
Westliche Propaganda - Aufteilung der Welt in Gut+ Böse
Die Jerusalemer Erklärung - Antwort auf die IHRA
Werder Bremen übernimmt die IHRA-Definition
Joseph Melzer - Ich habe neun Leben gelebt.
Holocaustgedenktag 2021
Inhalt der BDS-Resolution nicht erwähnen
Bücher - Positionen zum israelbezogenen Antisemitismus
Kariere von Sawsan Chebli
Martialisches Erinnern
Das zynische Angebot
Omri Boehms - liberaler und humaner Zionismus!
Omri Bohm - Israel - eine Utopie
Darstellung des Zionismus  für Israels Politik Problem
Zionismus untergräbt Werte des Judentums
Gaza ist Überall!
Israel und das Apartheid-Südafrika
Fall Achille Mbembe kein Einzelfall
Eine deutsche Debatte im Jahr 2020
Achille Mbembe - Eigentor von Felix Klein
Was trägt Israel  zum Judenhass bei?
Antideutsche - Antisemitismus und Nahostkonflikt
Nirit Sommerfeld - Stimme des anderen Israel
Symbol für den Freiheitskampf
Krieg gegen das palästinensische Volk
Treueschwüre für einen Besatzerstaat
Zur Kriegsgefahr im Nahen Osten
Der  ideologische Blick auf Israels Geschichte
Kein Friedensstern über Bethlehem
G. Hanloser - Abgesang auf die Antideutschen
Bundesregierung will Hisbollah verbieten
Jürgen Todenhöfer - Die große Heuchelei
Spiegel - zu Israel-kritischer Positionen kein Wort
Gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“
Hungert sie aus!
Das Beispiel Dr. Dr. Marcus Ermler
Hans-Jürgen Abromeit sagt die Wahrheit
Israel zieht belastende Dokumente aus dem Verkehr
Definiert Israels Regierung was Antisemitismus ist
Der Kushner-Plan -Totgeburt
Israels Politik -  zynisch, autoritär und reaktionär
Bremen verweigert Kritik an Israel
Wahlen ohne Opposition und Alternative…
Man unterscheidet zwischen "guten" und "bösen" Juden
BDS-Aktivisten auf „Krawall“ reduziert
Israel Siedlungen auf dem Mond?
Die Mauer als Symbol des Scheiterns
Wider den Mainstream
Triumph des moralischen Nihilismus
Mythos - Vertreibung der Juden aus arabischen Ländern
Frieden auf Erden“ –  nicht in Palästina
Zensur der evangelischen Kirche
Lehrer nach Yad Vashem
Evangelische Kirche und Israels Unrechtspolitik
Hysterie bis zur Paranoia
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Bremer Innensenator Mäurer hat Recht
Die „Israelisierung der Welt“
Trumps "Deal" Verrat an Palästina
Wikipedia ist der Manipulation überführt
Klassischer Fall von Geschichtsfälschung
Juden und Muslime in Auschwitz
Israels Sanktionen - Iran
Zum Tod von Felicia Langer
„WerteInitiative“  - Schlag gegen Bettina Marx
Stopp gegen Antisemitismus-Hysterie
Palästina - Realität wird zum Tabu
Tom Segevs Ben Gurion-Biographie
Deutschland, Israel + der Antisemitismus:
Präsident Abbas‘ missverständliche Rede
Unterstützung Arbeit Antisemitismus-Beauftragten
Die inszenierte Hysterie
Entstehung Israels als Heldenepos
70 Jahre Israel – 70 Jahre Siedlerkolonialismus
Skandalöse Geschichtsklitterung
Heiko Maas  in Israel
Was für ein Staat!
Heiko Maas - Kniefall nach Israel
Meinungsfreiheit für Palästinenser in Bremen
Rolf Verleger - Hundert Jahre Heimat_Land
Israel hat den Frieden nie gewollt.
Weihnachten 2017
Gefängnisstrafen und Sippenhaft
Nimmt der Antisemitismus zu?
Stramm hinter Trump
Hermann Kuhn demonstriert  Nichtwissen
Deutsche Kampfflieger über Israel
„Sie weichen den wirklichen Problemen aus“
Rezension - Abraham Melzer: Die Antisemiten-Macher
Rezension - Abraham Melzer: Mit Feuer und Blut
Die kopernikanische Wende
Martin Schulz Kotau vor der Israel-Lobby
„1984“ auf israelisch
Rückfall in die Vormoderne
Michael Wolffsohn hat sich disqualifiziert
Rezension - M. Peled - Der Sohn des Generals
Analysen des antizionistischen Isaac Deutscher
Film - Der Hass auf Juden in Europa
14. Dokumenta - Ahlam Shibli
Michael Lüders Buch „Die den Sturm ernten“
Jenseits aller Wirklichkeit
„Im Gefängnis, weil  Palästinenser“
Das Lehrbeispiel BDS
DIG Aufruf gegen Kritiker
Broder - BDS + die Endlösung
Zwischen „Lügen- “ und „Lückenpresse“
Frieden auf Erden... nicht im Heiligen Land
Ist Deutschland eine Bananenrepublik?
Hat Jakob Augstein der Mut verlassen?
Israel-Berichterstattung - doppelte Standards
Propaganda-Lügen gegen den Frieden
Antisemitismus – „Missverständnis der Geschichte“?
Wann ist Kritik an Israels antisemitisch
Die Lobby schlägt zu
Geheimsache Heron TP
Claude Lanzmann -  Palästina-Konflikt
Die Israel-Lobby und die HAWK
Ein Humanist?
„Die Hamas ist an allem schuld“
Ein Krieger und Verächter des Völkerrechts
Proteste und Demonstrationen nicht Antisemitisch
Der Streit um Israels „Existenzrecht“
„Journalismus“ á la Benjamin Weinthal
„Methodisch betriebener Wahnsinn“
Dank an Benjamin Weinthal
Albert Einstein muß als Zeuge herhalten
Wenn Weinthal wieder einmal zuschlägt ...
Rezension von  Kurt O. Wyss
Noch mehr Israel-Kritiker geschafft
Interview mit Abdallah Frangi
Benjamin Weinthal verhindert Vortrag Arn Strohmeyer
„Lügenpresse“ oder kritikloser Philosemitismus?
Ein Weihnachtswunsch
Abraham Melzers Buch „Israel vor Gericht“
Rezension - Petra Wild: Die Krise des Zionismus
Gipfel der Absurdität
Daniel Killy diffamierte seinen früheren Arbeitgeber
Rezension - Die Hölle von Gaza - Spiewak
Rote Karte für Israel!
Der Antisemitismus-Vorwurf als Rufmord
Ist Israel ein verrückter Staat?
„Oslo war ein Kapitulationsabkommen“
Rezension - Ilan Pappe -  „Die Idee Israel"
Wenn eine Jüdin den Zionismus kritisiert...
Leseprobe 3 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 2 - Antisemitismus – Philosemitismus
Leseprobe 1 - Antisemitismus – Philosemitismus
Inhalt - Antisemitismus – Philosemitismus
Buch - Antisemitismus – Philosemitismus
Kontrolle über Israels Atomwaffen?
Rezension - Sven Severin: Shalom ist nicht Frieden.
Werte der USA und Europas Doppelmoral
Antwort auf Uri Avnerys Artikel Die wirkliche Nakba
Rezension - Israel – Im permanenten Kriegszustand
Zwischen Doppelmoral und Lebenslügen
Die Herren über Leben und Tod
Dauerbrenner Antisemitismus
Weglassen, vertuschen und manipulieren
Napoleoni - Die Rückkehr des Kalifats.
Presseboykott gegen  Nakba-Ausstellung Bremen?
Der Streit um die historische Wahrheit
Am besten das Völkerrecht abschaffen.
Anschläge Paris - Stunde der Heuchler
Die Legenden von den vertriebenen Juden
Linkspartei und die Verletzer der Völkerrechte
Für Israel Frieden unmöglich.
Zionismus vor seinem historischen Ende?
Antisemitismus-Gefahr als politische Waffe
Eine genau kalkulierte Kampagne
„Ein Massaker schlimmsten Ausmaßes!“
Dieter Graumann und die westlichen Werte
Willkommener Anlass
Die EU als zahnloser Papiertiger
Antisemiten überall
Uri Avnery relativiert die Nakba
H. Baumgarten - Kampf um Palästina
Ein bedeutender Schritt zur Versöhnung
Bremer Evangelische Kirche -  Frieden Nah Ost
„Warum provoziert Ihr Israel immer so?“
Interview mit  Reuven Moskowitz
Israels große Propagandainszenierung
Unkritische Unterstützung Israels.
Tumulte in der Knesset
Rezension - Israel kontrovers
Ariel Sharons brutale Gewaltpolitik
Neuerscheinung Ilan Pappes Buch?
Ilan Pappe - „Eethnische Säuberung Palästinas
Schweigen der Christen im Nahen Osten
Feldmans Film „The Lab“
Mythos - Vertreibung der Juden
Rezension - Viktoria Waltz -  „Monopoly“
Shlomo Sand - Ich steige aus.
Palästinenser Testpersonen für Rüstungsindustrie
Israel steht unter Verdacht
Rezension - Buch Ekkehart Drost
3. Israelkongress in Berlin
Die Angst vor der Wahrheit
Was kommt nach dem Zionismus?
Führt Obama Israels Krieg?
Haben nur Palästinenser „Blut an den Händen“?
Ein Bantustan-Staat für die Palästinenser?
Zionismus + arabischer Antisemitismus
Ethnische Säuberungen
Juden unerwünscht?
Wenn Israel fällt, fällt auch der Westen!“
Nachruf auf Stéphane Hessel
Streit um Augsteins „Antisemitismus“ geht weiter
Zerstört Israel sich selbst?
Broders taktischer Rückzieher
Solidarität mit Jakob Augstein!
Sollen Patriot-Raketen Israel schützen?
Von der Macht der Denunzianten
Rezension Rudolph Bauer - Wer rettet Israel
Netanjau in Berlin zum völlig falschen Zeitpunkt
Mit der UNO auf Kriegsfuß
Generalangriff auf die Mythen des Zionismus
Gaza - Schweigen die Waffen?
"Sicht der Armee  kein ethisches Problem“
Erwiderung auf Charlotte Knobloch
Atmosphäre der Angst
Keine Chance für die Vernunft?
These vom Mord an Arafat
„Hier wird Israel pauschal diffamiert“
D. Barenboim:„Nur ein Psychiater kann  helfen!“
In Nibelungentreue an Israels Seite?
Merkels abenteuerlicher Kriegskurs
Der Dichter, Israel und die Denkverbote
Genug der Heuchelei! - Günther Grass
Auf Mythen keinen Frieden aufbauen
Brief an Ralph Giordano
Ilan Pappe -  Wissenschaft als Herrschaftsdienst
Nazi-Analogien in Israel
Interview mit Abdallah Frangi
Abdallah Frangi - Der Gesandte
Israeltag 2011 - Bremer Schulen
Ein Akt historischer Gerechtigkeit
Israel-Propaganda an deutschen Schulen ?
„Boykott ist eine absolute Notwendigkeit“
Rezension - Finkelstein „Israels Invasion in Gaza“
Die Partei „Die Linke“ + das Existenzrechts Israels
„Wir wollen die ganze Region befreien“
Ergänzung - Brief Bürgermeister Jens Böhrnsen
Offener Brief - Bürgermeister Jens Böhrnsen
Helmut Schmidt + R. von Weizsäcker Antisemiten?
Sind Boykottaktionen antisemitisch?
Boykott gegen Früchte aus Israel
Stéphane Hessel - Empört Euch!
Todenhöfer - Warum tötest Du, Zaid?
Arabische Aufstände düpieren den Westen + Israel
Verzweifeln an Israel
In der Falle der Stammesideologie
Wer glaubt an Friedensbotschaften
Kotau vor Merkels Nahost-Politik
Wie man Antisemiten produziert
Im Gleichschritt mit Israel?
Was ist Antisemitismus
Gibt es  "neuen" Antisemitismus? - Klug Brian
Was sind "jüdische Gene"? - Thilo Sarrazin
Zionistischer Angriff auf Wikipedia
Moshe Zimmermann: Angst vor Frieden
Verwirrung der Begriffe?
Offener Brief  Weser-Kurier-Artikel - 16. 06. 2010
Iris Hefets gewann Prozess gegen Lala Süsskind
Mordaktion nach Piratenmanier
Israel will keinen Frieden
Solidarität mit Iris Hefets!
Sieg der Spermien und Gebärmütter
Hajo Meyer - Radikale Kritik am Zionismus
Interview mit Norman G. Finkelstein
Gespräch mit Yehuda Shaul
Interview mit Yahav Zohar
Broder - Aufklärung + Untergang
„Israel streut der Welt Sand in die Augen“
„Hitler besiegen“
Interview mit Moshe Zuckermann
Bethlehem 2008
Volk ohne Hoffnung
Brief Präsidium J. G. Bremen
Interview Felicia Langer

 

TRANSLATE  

 

Die Erinnerung an die Vergangenheit
kann gefährliche Einsichten aufkommen lassen,
und die etablierte Gesellschaft
scheint die subversiven Inhalte
des Gedächtnisses zu fürchten.

Herbert Marcuse

 

 

Ein Weihnachtswunsch: Dass die Mythen, die sich um das „Heilige Land“ ranken entzaubert werden und Frieden so möglich wird

Arn Strohmeyer

 

 

Der Dalai Lama, der Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, hat kürzlich eine erstaunliche Bemerkung gemacht: Der Zustand der Welt wäre wohl besser, wenn es die Religionen nicht gäbe. Wie recht er hat! Man kann die Mythen hier mit einschließen, denn sie hängen eng mit der Religion zusammen. Religion und Mythen gehen immer Hand in Hand. Palästina, das sogenannte „Heilige Land“, hat drei große Weltreligionen hervorgebracht: das Judentum, das Christentum und den Islam. Diese drei Religionen berufen sich auf den mythischen Stammvater Abraham und erheben alle denselben Anspruch: im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein. Dieser Anspruch allein hat eine rigide Intoleranz zur Folge gehabt und hat unendliches Leid über die Menschen gebracht und Ströme von Blut fließen lassen: durch Missions- und Eroberungskriege, Zwangsbekehrungen, Kreuzzüge, Inquisition, Hexenprozesse, Kolonialismus und und ...

Ein Beispiel aus dem Christentum. Es sei hier an ein historisches Ereignis mit religiösem Hintergrund erinnert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts hatte sich in Europa herumgesprochen, dass die christlichen spanischen Eroberer in Mittel- und Südamerika bei der „Entdeckung“ und Eroberung dieser Regionen furchtbare Verbrechen an den dort lebenden indigenen Völkern begangen hatten. Im Einvernehmen mit Papst Julius III. beschloss Kaiser Karl V., eine große Konferenz in der spanischen Stadt Valladolid abzuhalten, um über die folgenden Fragen zu debattieren: Gehören die jüngst entdeckten Völker zum Menschengeschlecht oder nicht? Sind sie im Erlösungsplan Christi vorgesehen? Sind sie Geschöpfe des lebendigen Gottes oder eine kaum noch menschliche Unterart der Menschheit? Haben Indianer eine Seele? Ist Christus auch für sie gestorben?

Die Versammlung trat im Jahr 1550 in der spanischen Stadt zusammen – unter ihnen die berühmtesten Theologen der damaligen Zeit: der Dominikaner Bartolomé de Las Casas, der die Indianer als „Menschen mit einer Seele“ verteidigte, und Juan Ginés de Sepulvéda, der die These vertrat, dass die neu entdeckten Völker „Untermenschen“ seien, also Wesen, die das Wort „Mensch“ nicht verdienten. Da für Kaiser und Kirche auch beträchtliche wirtschaftliche Interessen in Amerika auf dem Spiel standen, war klar, wie die Entscheidung der Versammlung lauten würde: Bei den indigenen Völkern handelt es sich nicht um Menschen, sie sind keine Kinder Gottes und nicht Teil des göttlichen Erlösungsplanes. (Quelle: Jean Ziegler: Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren)

Das ist der religiöse Ausgangspunkt des westlichen Kolonialismus, die „Weißen“ haben die menschenverachtende Philosophie, die in Valladolid beschlossen wurde, in den folgenden Jahrhunderten getreu befolgt und brutal in die Tat umgesetzt: in Amerika, Australien, in Afrika und in Asien. Der Beschluss von Valladolid war sozusagen die theologische Rechtfertigung für das kolonialistische Vorgehen. Ein Rest davon ist auch noch im Zionismus enthalten, der im 19. Jahrhundert in der Hochzeit des Kolonialismus entstand und Elemente des europäischen Nationalismus und Kolonialismus in sich trägt, weshalb Abraham Melzer sagen kann: „Der Zionismus ist eine anachronistische Weltanschauung und gehört auf den Kehrhaufen der Geschichte.“

Der Zionismus lebt, obwohl er selbst säkular ist, vornehmlich von religiösen Mythen – alten wie neuen: Dass Gott den Juden das Land Palästina bzw. Erez Israel (Groß-Israel) geschenkt hat; dass es dort einst ein großes und mächtiges jüdisches Reich gegeben habe; dass die Juden nach der Zerstörung des Tempels 70 n.u.Z. durch die Römer vertrieben und in alle Welt ins Exil zerstreut worden seien; dass sie immer den Wunsch hatten, in die alte Heimat zurückzukehren und dies dann auch im Zuge der zionistischen Bewegung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wirklich taten; dass Palästina bei ihrer Ankunft „leer“ und „öde“ gewesen sei und dass das Land nur darauf gewartet hätte, von den Rückkehrern urbar gemacht zu werden und die Wüste nun zum Blühen gebracht werden sollte. Die Zionisten nannten das die „Befreiung“ und „Erlösung“ des Landes.

Es kommen die modernen Mythen hinzu: dass die Palästinenser, die es dort entgegen den zionistischen Behauptungen doch gab, 1947/48 das Land „freiwillig“ verlassen hätten; dass Israel das Westjordanland 1967 zu Recht erobert hätte, weil es das alte Judäa und Samaria der Bibel sei; dass die Israelis stets zum Frieden bereit gewesen seien und den Arabern immer die Hand zur Versöhnung ausgestreckt hätten; dass die Juden die „ewigen Opfer“ und die „anderen“, die Palästinenser, die „Täter“, „Terroristen“ und die „neuen Nazis“ seien. All dies sind Propaganda-Mythen, die zum Teil einen religiösen Hintergrund haben und das israelische Narrativ ausmachen. Israelische Historiker wie Benny Morris, Ilan Pappe, Avi Shlaim, Israel Shahak, Simcha Flapan und Shlomo Sand, um nur einige zu nennen, haben sie längst widerlegt. Dennoch bilden diese Mythen immer noch den weltanschaulichen und politischen Grund, auf dem der Staat Israel beruht.

Ohne diese Mythen ginge es Israel wie im Märchen dem „Kaiser mit den neuen Kleidern“, es stände ziemlich nackt da. Und weil das so ist, behauptete schon der Zionistenführer und erste Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, dass starker Glaube an den Mythos ihn in historische Wahrheit verwandeln könne. Die historische und politische Wirklichkeit heute ist aber eine ganz andere. Israels ist ein Erbe des Kolonialismus – ihm verdankt es seine Entstehung (der Hilfe der imperialistischen Mächte England, Frankreich und den USA) und es ist bis heute ein siedlerkolonialistischer Staat in dem Sinne, wie Petra Wild ihn definiert hat: „Der reine Siedlerkolonialismus, für den Israel ein Beispiel ist, strebt danach, die einheimische Bevölkerung durch eine eingewanderte Siedlerbevölkerung vollständig zu ersetzen. Die Grenzen werden stets weiter nach vorne verschoben und die einheimische Bevölkerung wird auf stets kleiner werdenden Flächen zusammengedrängt, um ihr Land und ihre Ressourcen für die Siedlerbevölkerung freizumachen. Charakteristisch für siedlerkolonialistische Gebilde sind neben territorialer Expansion ein ausgeprägter Rassismus in der Siedlerbevölkerung und die Behauptung, das Land sei menschenleer gewesen, als die Siedler kamen.“

Damit sind die Geschichte und die gegenwärtige Politik Israels mit all ihrer Gewalt und ihrer Menschenverachtung gegenüber den Palästinensern genau beschrieben. Wie verzerrt und irreal im Sinne des eigenen selbstherrlichen Mythos das Bild ist, das die Israelis von sich selbst haben, hat die israelische Psychoanalytikerin Ruchana Marton am Beispiel der Mauer beschrieben. Sie nennt dieses von Israel gebaute Monstrum zu den Palästinensergebieten eine „metaphorische Blende“, deren Sinn und Funktion es ist, die „Existenz des palästinensischen Volkes insgesamt auszublenden“. Sie begründet das so: „Von einer psychologischen Warte aus ermöglicht diese Blende es den jüdischen Israelis, das Leid und die Menschlichkeit der Bewohner auf der anderen Seite zu vergessen. (...) Ein brauchbarer Ansatz, einige der psychologischen Mechanismen zu verstehen, die mit der Mauer zu tun haben, ist das Prinzip der Spaltung. Es lässt zwei Extreme zu, die Welt ist in ‚gut‘ und ‚böse‘ gespalten, ohne ein Mittleres. Spaltung ist der primitivste Abwehrmechanismus, auftretend bei übergroßer Verängstigung und einem Bedürfnis, unerträglich starke positive und negative Emotionen voneinander zu trennen. Ironischerweise fordert diese begriffliche Verarbeitung laufend psychische Energie und ist als Langzeitlösung nicht sehr effektiv, denn die Ängste werden eher blockiert als erforscht, verarbeitet und schließlich abgebaut.“

Weiter schreibt Ruchama Marton: „Indem man sowohl die äußeren wie die inneren Aspekte des guten Selbst vom bösen Selbst abspaltet, ist es psychologisch möglich, die ungeliebten Teile des eigenen Selbst auf den ‚Anderen‘, d.h. die Palästinenser, zu übertragen. Dann kann man die projizierten Teile und Eigenschaften verachten, die ja nun dem ‚Anderen‘ angehören. Die Trennmauer wird so ausschließlich als Akt des Selbstschutzes wahrgenommen, als Schutz vor der wilden Aggression, die man mit den Palästinensern assoziiert. Die Mauer erlaubt dem zionistischen israelischen Kollektiv-Selbst, sich nicht als aggressiv, gewalttätig, grausam, Besitz ergreifend, als Verletzer von Menschenrechten zu sehen, indem alle diese Züge auf die Palästinenser jenseits der Mauer projiziert werden.“

Die Mauer ist also nicht nur eine physische Barriere, sie trennt auch – in den Augen der Israelis – das fortschrittliche, zivilisierte und demokratische Israel von den rückständigen, barbarischen und gewalttätigen Palästinensern. Die Mauer erlaubt es den Israelis, diese ‚Anderen“, die vor allem als Terroristen wahrgenommen werden, ohne Empathie und Miterleben des menschliche Leids auszublenden. Ruchama Marton schreibt: „Sie [die Mauer] ist undurchsichtig, um den Blick auf das Elend und Leid auf der anderen Seite zu verhindern. Wäre sie durchsichtig, könnten wir tatsächlich das beunruhigende Leid der Menschen auf der anderen Seite sehen. Sie ist hässlich – denn sie soll die Illusion stützen, auf der anderen Seite lebe ein böses, ein hässliches Monster und keine normalen Menschen. Die palästinensische Existenz jenseits gilt als minderwertig, hässlich, schmutzig, gewalttätig und gefährlich.“ Durch diese Abschottung und die Verweigerung des Blicks auf die andere Seite stumpfen die Israelis aber ab, denn sie verdrängen ja einen Teil ihrer eigenen Psyche, die sie nicht mehr wahrnehmen. Das Getto kommt so wieder und mauert auch die Israelis ein.

Das Selbstbild, das sich die Israelis in Bezug auf die Palästinenser machen, hat also wenig mit der Realität zu tun – man kann es in seiner heroischen Selbsterhöhung auch als eher dem Reich des Mythos angehörig bezeichnen. Aber solche Mythen sind sehr gefährlich, wie gefährlich hat der israelische Historiker und Publizist Simcha Flapan für sein Land schon vor Jahrzehnten formuliert: Es gilt, „die propagandistischen Denkstrukturen aufzulösen, die so lange verhindert haben, dass in meinem Land die Kräfte des Friedens an Boden gewinnen konnten. Die Aufgabe, die den Intellektuellen und den Freunden beider Völker [Israelis und Palästinensern, d.Verf.] zufällt, besteht nicht darin, Ad-hoc-Lösungen anzubieten, sondern die Ursachen des Konflikts in das Licht einer aufklärenden Analyse zu tauchen, in der Hoffnung, dass man es auf diese Weise schafft, die Verzerrungen und Lügen, die mittlerweile zu sakrosankten Mythen geronnen sind, aus der Welt zu schaffen.“ Und warnend fügt er hinzu: „Wenn die Klischees und die falschen Mythen ihren Platz im Denken behaupten, ist die Katastrophe unausweichlich.“

Gemessen an diesem Kriterium steht es nicht gut um das „Heilige Land“ und seine Zukunft. Denn es ist klar: Ohne Abschied von den Mythen ist eine Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern unmöglich. Dazu würde vor allem die Erkenntnis gehören, dass Gott (welcher auch immer) den Juden dieses Land nicht geschenkt hat, sondern dass heute dort zwei Völker leben, die ein gerechten und friedlichen Ausgleich miteinander finden müssen. Israel ist der Kolonist, Besatzer und Unterdrücker, deshalb trägt dieser Staat die Hauptlast der Verantwortung für eine Lösung des Konflikts – und man kann nachfühlen, dass es eine gewaltige Aufgabe ist, sich von den Mythen, die bisher seine Identität ausgemacht haben, zu trennen. Das ist deshalb so schwer, weil es hier um das Selbstverständnis des Zionismus geht – vor allem was das Jahr 1948 angeht, in dem die Nakba (die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser) stattfand.

Über den Mythos, dass die Palästinenser ihre Heimat „freiwillig“ verlassen hätten, schreibt Simcha Flapan: „Der Mythos vom freiwilligen Auszug der Palästinenser als Antwort auf ‚Weisungen von oben‘ hat sich mit erstaunlicher Zähigkeit gehalten. Rückblickend kann man erkennen, dass der Mythos das unvermeidliche Ergebnis davon war, dass man den Palästinensern ihr Recht auf Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit verweigert hatte, ein Prinzip, das die zionistische Politik von Anfang an geleitet hatte.“

 

Weiter schreibt Flapan: „Wenn der Mythos anfänglich auch politisch war, wurde er bald zu einem wichtigen Pfeiler des Selbstverständnisses des neugegründeten Staates. Zunächst einmal ließen sich damit die Spuren der unschönen Methoden tilgen, die die israelischen Sieger angewandt hatten – von der Beschlagnahme von Lebensmitteln, Rohstoffen, Medikamenten und Grundstücken bis zu Akten des Terrors, Einschüchterung und Panikmache und schließlich bis zur gewaltsamen Vertreibung – , und auf diese Weise die Schuldgefühle ersticken, die in vielen Teilen der Gesellschaft, namentlich in der jüngeren Generation, vorhanden waren. Viele derer, die Schuldgefühle empfanden, wirkten an den Operationen mit, die die Flucht der Araber auslösten. Sie befolgten selbst die Weisung, ganze Dörfer zu zerstören, Männer, Frauen und Kinder aus ihren Häusern zu treiben und sie in eine ungewisse Zukunft jenseits der Grenzen zu schicken. Viele von ihnen nahmen an Aktionen teil, bei denen alle arbeits- und wehrfähigen Männer eines Dorfes zusammengetrieben und dann zur Deportation in Lastwagen gepfercht wurden. Es war für sie nicht leicht, ihr revoltierendes Gewissen zu beruhigen.“

 

Und weiter: „Aber der Mythos bewährte sich nicht nur bei der Verdrängung der Schuldgefühle, sondern auch als wirksame Waffe der politischen Kriegführung. Er wurde zur Untermauerung der uralten zionistischen These verwandt, die Palästinenser seien kein Volk mit legitimen nationalen Bestrebungen und Rechten, sondern einfach ein Teil des arabischen Volkes, den man nach Belieben in irgendwelche bewohnbaren Regionen des ausgedehnten arabischen Lebensraumes abschieben könne.“

 

Die Folgen der Nakba 1948 auf die heutige Politik Israels hat Ilan Pappe beschrieben, wobei er zunächst auf eine mögliche Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge, die seit Jahrzehnten in Lagern in arabischen Staaten ein elendes Dasein fristen müssen, eingeht: „Hinter diesen drakonischen Maßnahmen der israelischen Regierung, jedes Gespräch über das Rückehrrecht zu verhindern, steht eine tief sitzende Angst vor einer Debatte über die Ereignisse von 1948, da Israels ‚Behandlung‘ der Palästinenser in jener Zeit zwangsläufig beunruhigende Fragen nach der moralischen Legitimität des gesamten zionistischen Projekts aufwerfen würde. Für Israelis ist es daher von entscheidender Bedeutung, einen starken Verleumdungsmechanismus aufrechtzuerhalten, der ihnen nicht nur hilft, die von den Palästinensern in den Friedensverhandlungen gestellten Forderungen abzuwehren, sondern auch – und vor allem – jede eingehende Debatte über den Charakter und die moralischen Grundlagen des Zionismus zu vereiteln.“

 

Pappe geht dann auf den zionistischen Gründungsmythos ein: „Die Palästinenser als Opfer israelischer Taten anzuerkennen ist für die Israelis in mindestens zweierlei Hinsicht zutiefst beunruhigend. Da eine solche Anerkennung bedeutet, sich dem historischen Unrecht zu stellen, das Israel mit der ethnischen Säuberung Palästinas 1948 begangen hat, stellt sie die Gründungsmythen des Staates Israel in Frage und wirft eine Fülle ethischer Fragen auf, die unausweichliche Folgen für die Zukunft des Staates haben. (...) Die Palästinenser als Opfer anzuerkennen ist mit tief verwurzelten Ängsten verknüpft, da es von den Israelis verlangt, ihre Wahrnehmung der ‚Vorgänge‘ von 1948 in Frage zu stellen. Aus Sicht der meisten Israelis – und nach der Darstellung, die die israelische Mainstream- und Propagandageschichtsschreibung  immer wieder verbreitet – konnte Israel sich 1948 als unabhängiger Nationalstaat auf einem Teil des Mandatsgebietes Palästina etablieren, weil es den frühen Zionisten gelungen war, ‚ein leeres Land zu besiedeln‘ und ‚die Wüste erblühen zu lassen‘.“

 

Und weiter: „Die Unfähigkeit der Israelis, das Trauma anzuerkennen, das die Palästinenser erlitten haben, tritt noch schärfer hervor, wenn man sie mit der nationalen Schilderung der Nakba als traumatische Erfahrung kontrastiert, mit der sie bis heute leben. Hätte der ‚natürliche‘, ‚normale‘ Ausgang eines langen, blutigen Konflikts die Palästinenser zu Opfern gemacht, hätte Israel nicht so große Angst, der anderen Seite den Opferstatus zuzugestehen: Beide Seiten wären ‚Opfer der Umstände‘ – an dieser Stelle lässt sich aber auch jeder andere schwammige, unverbindliche Begriff einsetzen, der Menschen, vor allem Politikern, aber auch Historikern dazu dient, sich von der moralischen Verantwortung freizusprechen, die sie sonst tragen würden.“

 

Und Pappe schließt: „Aber was die Palästinenser verlangen und was für viele von ihnen zu einer Conditio sine qua non wurde, ist, dass man sie als Opfer eines fortdauernden Unrechts anerkennt, das Israel bewusst an ihnen begangen hat. Das zu akzeptieren würde natürlich für israelische Juden ihren eigenen Opferstatus beschädigen. Es hätte politische Auswirkungen auf internationaler Ebene, würde aber auch – was vielleicht entscheidender wäre – moralische und existenzielle Auswirkungen auf die Psyche israelischer Juden zeitigen: Sie müssten sich eingestehen, dass sie zum Spiegelbild ihres schlimmsten Alptraums geworden sind.“

 

Wie recht Ilan Pappe damit hat, dass Erinnern für eine etablierte Gesellschaft gefährlich sein kann, macht die aktuelle israelische Politik deutlich: Das israelische Parlament – die Knesset – hat im März 2011 ein Gesetz verabschiedet, das das Gedenken an die Nakba verbietet. Das Gesetz stellt öffentliche Gedenkfeiern unter Strafe, die an die Vertreibung der Palästinenser erinnern. Das heißt: Palästinensische Organisationen oder israelische Menschenrechtsgruppen riskieren hohe Geldstrafen, wenn sie das Schicksal der Palästinenser 1948 zum Thema machen. Der Mythos von der zionistischen Unschuld muss also mit allen Mitteln aufrecht erhalten werden. Man sieht, eine wie wichtige Rolle Mythen im israelischen Selbstverständnis spielen. Aber sie sind das erste große Hindernis, das auf dem Weg zum Frieden überwunden werden muss. Ohne eine Entmythologisierung dieser selbst gestrickten Propaganda-Legenden kann es keinen Ausweg aus dem Konflikt mit den Palästinensern geben. Die Situation erinnert an das alte China. Als der Weise Konfuzius in einem kriegerischen Konflikt vermitteln sollte, sagte er: „Um zueinander zu finden, müssen wir erst einmal die Begriffe ordnen und uns darüber einigen.“

 20.12.2015

 

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