o
oo

 


Palästina Portal
Stimmen für Palästina

 

 

Reuven Moskovitz – ein Friedensabenteurer


Der charismatische Mann wirbt für Verständigung zwischen Israelis und Palästinensern

Von Johannes Zang

Aschaffenburg (DT) Wieder zieht er hierzulande von Stadt zu Stadt, packt die Mundharmonika aus und begleitet dirigierend das Publikum, das er im Nu gewinnt, das sehnsüchtig-schmerzliche Liedchen mitzusingen. Darin heißt es, dass der ein Held ist, der seinen Feind zum Freund macht. Demzufolge dürfte es in seiner Heimat, dem Nahen Osten, kaum Helden geben.

Wer ist dieser Mann, der in einem Alter, das gemeinhin Ruhestand genannt wird, unruhig durch Deutschland zieht, da es in seinem Heimatland keine Ruhe gibt? In den letzten drei Jahren wurden ihm für diese Versöhnungs- und Verständigungsarbeit gleich zwei Preise verliehen: der „Mount Zion Award“ der Jerusalemer Benediktiner auf dem Sion und im vergangenen Jahr – zusammen mit Nabila Espanioly – der Aachener Friedenspreis.

Reuven Moskovitz, der sich selbst „Friedensabenteurer“ nennt, wurde 1928 im Norden Rumäniens geboren. Nachdem er den Holocaust überlebt hatte, wanderte er 1947 nach Palästina aus. Dort studierte und unterrichtete er Geschichte und hebräische Literatur, verfasste mehrere Bücher und ist regelmäßiger Kommentator in Radio und Fernsehen. Das zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegene Dörfchen „Neve Shalom“ oder – wie es auf arabisch heißt – „Wahat as-salam“ hat er mitbegründet. Es ist nach wie vor der einzige Ort im Heiligen Land, wo Menschen aus beiden Völkern und drei Religionen bewusst, freiwillig und gleichberechtigt zusammenleben. Im Jahr 1974 verbrachte er ein Forschungsjahr in Berlin, um seine Promotion zum Thema „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ zu schreiben.

Die israelische Sicherheitspolitik verurteilt er und attestiert ihr, „völlig gescheitert“ zu sein. „Je sicherer wir sein wollten, desto weniger waren wir es“, bekennt er. Seiner Ansicht nach „wirkt die traumatisch schwere Last der Vergangenheit hemmend und lähmend auf jeden Versuch, Risiken einzugehen, um den vorhandenen Konflikt beizulegen“. Übertriebene Vorsicht werde jedoch mit der Zeit ebenso verhängnisvoll für jede Aussicht, irgendwann noch einmal in Frieden in diesem Land zusammenzuleben. Fast alles, was im letzten Jahrhundert in diesem Land geschehen sei, treibe die beiden Völker in die falsche Richtung.

In den letzten Jahren hat der unermüdliche Redner ein „nettes Deutschland“ kennen gelernt, in dem „noch eine heile Welt“ herrsche. Man spürt die Anspielung auf das andere Deutschland von vor siebzig Jahren. Von Deutschland, der tragenden Säule der Europäischen Union, erhoffe er sich mehr Einmischung in den Konflikt: „Deutschland könnte sehr viel beitragen zur Lösung des Konflikts. Wer weiterhin schweigt, fördert die aktuelle israelische Politik.“ Den Preis dafür werde man in der Zukunft bezahlen müssen, prognostiziert er. Es sei denn, dass „unser Volk bald ein freundliches Machtwort hört, dass die EU die Nase voll hat von der derzeitigen Politik.“

In Norbert Blüm, der um die Jahreswende selbst vor Ort war, um sich ein Bild von der Situation der Menschen, und nicht zuletzt von der entstehenden Mauer zu machen, hat er schon einen prominenten Mitstreiter gefunden.

Auf die Europäische Union und Außenminister Fischer angesprochen, merkt man Moskovitz Enttäuschung und zugleich Hoffnung an. Vielen mangele es an Informationen über die tatsächliche Lage vor Ort. Fischer meine es ja gut, aber auf ihn treffe ein jüdisches Sprichwort zu: „Ein konvertierter Fanatiker ist schlimmer als ein geborener Fanatiker.“

Schon vor einem Jahr forderte Reuven Moskovitz, die Europäische Union solle Israel und Palästina anbieten, assoziierte Mitglieder der Europäischen Union zu werden Damit würde die Sicherheit Israels und Palästinas von der NATO garantiert, schließlich seien die unter israelischer Besatzung lebenden Palästinenser noch unsicherer als die Israelis. Ob es noch Hoffnung auf Frieden gebe? Er redet sich in Fahrt und es fallen Antworten von „nicht sehr“ und „selbstverständlich“ bis hin zu „die gibt es immer“. Oder muss er sich vielleicht selbst Mut machen? Über Email hatte sich der Friedensabenteurer um die Weihnachtszeit an seine deutschen Freunde mit einer Bitte gewandt, die er schon seit Jahrzehnten gebetsmühlenartig äußert: „Befreit Euch von der Verlegenheit, die Euch zu Schweigen und Tatenlosigkeit bewegt!“ Damit das Buch des charismatischen Israeli „Der lange Weg zum Frieden“ nicht in die fünfte Auflage gehen muss. Denn bei der vierten Auflage er schon bedauert, dass der „Titel immer noch aktuell ist.“ Quelle DT Nr.16 vom 07.02.2004

  

Reuven Moskovitz ist Historiker und Mitbegründer des Friedensdorfes Neve Shalom/Wahat Salam in Israel, eine Siedlung in der israelische Juden und Palästinenser zusammenleben. Er war Sekretär der Bewegung für Frieden und Sicherheit in Israel. Seit mehreren Jahrzehnten ist er aktiv in der Friedensbewegung und um die Verständigung und Aussöhnung zwischen Palästinensern und Israeli, aber auch um die deutsch-israelische Versöhnung bemüht. Er ist Preisträger des Mount Sion Award 2001 und Preisträger des internationalen Aachener Friedenspreises 2003. Von seinem  Buch "Der lange Weg zum Frieden" gibt es die vierte Auflage.

 

Start | oben

Mail           Impressum           Haftungsausschluss           Translate          Honestly Concerned  + Netzwerk        The "best" of  H. M. Broder            Erhard  arendt art