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Die Mauer

Die Israelische Mauer  sie zerstört  trennt das Land,  die  Felder, die Menschen

Checkpoint Jerusalem Mai 2009

Mauerbilder  8 | Zurück | Nach oben | Weiter

Arbeiter die noch die "Chance" haben in Israel zu arbeiten stehen  ab 2.30 Uhr am Checkpoint an, der gegen 5.00 Uhr öffnet Quelle P. R.
 

 

Einige versuchen als Seiteneinsteiger einen Zeitvorteil zu gewinnnen.


 

Damit die Touristen nicht so "belastet" werden und das alles miterleiden, miterleben müssen, gibt es für sie einen gesonderten Durchgang.


 

 

 

 

Was ist Hoffnung ?  Was ist Zukunft ? Inshalah ? - (So Gott will ?)

Wie lange noch ??? - 12.10. 2007

In der möglichen Kürze nur ein paar Ereignisse herausgreifen, die mich besonders betroffen gemacht haben.

 1. Die oben gestellten Fragen machen sich ausgesprochen oder auch nicht immer mehr breit in Bethlehem und Palästina? Wie kann ein Mensch weiterleben, der keine Hoffnung mehr hat und keine Zukunft mehr für sich sieht? Damit stirbt der Wille zum Leben. Durch viele Familien in Bethlehem geht der Riss der Teilung, bleiben und langsam sterben oder auswandern und irgendwo im Ausland neu anzufangen. Das ist keine theoretische Frage, es geht ums Überleben - nicht nur weil kaum noch Geld da ist, um Brot und alles Notwendige zu kaufen, sondern was ist mit der Zukunft für die Kinder? Die ist absolut nicht mehr in Sicht, geschweigedenn planbar. Mit "In shallah" - "So Gott will" kann man sich zwar eine Zeit lang vertrösten und über Wasser halten - aber lebenslang?!!!

Seit Februar haben alle Angestellten der Behörden kein Gehalt mehr bekommen (Stellen Sie sich das bitte einmal für Ihre Familie vor!). Das Schuljahr hat am 2.9.06 begonnen. Das heisst, dass ausser den privaten und christlichen Schulen bis jetzt noch kein Unterricht stattgefunden hat, da die unbesoldeten Lehrer ebenfalls im Streik sind. Eine erfreuliche Aussnahme durfte ich in Hebron erleben:

Mein Freund Ahmed, der als Lehrer aus Not im Service in einem Hotel in Bethlehem arbeitet, wenn Gäste dort sind - wendet seit über 4 Jahren mit grossem Erfolg die Drama Methode im Unterricht an. Er hat sie selber entwickelt. Ich durfte am Montag dieser Woche seine Klassen besuchen. Phänomenal. Bei den Schülern, die da mitmachen (er hat inzwischen über 11 Gruppen) haben sich bei über 50 % der Schüler die Noten um 2-3 Stufen verbessert, weil die Schüler jetzt gerne zur Schule kommen und lernen wollen. Selbst in diesen Wochen des Lehrerstreiks kommen sie zu ihm nach Hause und bitten ihn zur Schule zu kommen. Seine Schule war bis Montag die einzige in Halhul (30.000 Einwohner), die geöffnet hatte. Der Direktor ist Mitglied von Hamas, mit der die politisch Verantwortlichen in den USA Europa nicht reden wollen. Nach unserem Besuch mit kleinen Vorführungen und Schülergesprächen war unser Besuch das Stadtgespräch. Noch mehr Schüler wollen jetzt mitmachen in diesem Programm, Lehrer machen mit, der Direktor steht voll dahinter. Einen Tag später haben bereits 3 weitere Schulen wieder ihren Unterricht aufgenommen. Und warum das alles: weil da jemand aus dem Ausland sich für sie interessiert, Anerkennung zollt, ermuntert, zur Schule zu kommen und für die eigene Zukunft und die Palästinas zu lernen. So einfach kann es sein, so etwas kann geschehen, wenn man Menschen nicht gleich in die Terroristenschulade steckt, sondern sie als Menschen, als Väter und Mütter, als Schüler und Lehrer ein bißchen Anerkennung und Achtung schenkt.

 
2. Viermal war ich für mehrere Stunden am Terminal 300 (kein Sicherheits-Check an einem Flughafen in Europa ist damit vergleichbar!) - wie das Monstrum von Checkpoint am Eingangstor von Jerusalem nach Bethlehem an der 8 m hohen Mauer heisst. Allein der Gang durch dieses Monstrum ist eine unerträgliche Demütigung für Palästinenser, die die Erlaubnis haben, in Jerusalem zu arbeiten (ca. 4000 im Distrikt Bethlehem) :   durch eine kleine Tür in der Mauer, durch sechs enge Drehkreuztüren (60 cm), Körpercheck, Abllegen von Schuhen und Gürtel, Durchleuchtung des Handgepäcks, 2-3 Pass-Checks, alles überwacht von israel. Soldaten mit dem Finger am Abzug oberhalb des Ganges auf Laufgittern, angeschnauzt von SoldatenInnen über schnarrende Lautsprecher in einem Ton, den unsere Hunde nicht einmal von ihren Besitzern hören.

Wer all das bis zur letzten Passkontrolle geschafft hat, wird u.U. ohne Angabe von Gründen wieder zurückgeschickt, seine Erlaubnis kann ihm grundlos abgenommen werden, weil es dem gerade dort sitzenden 18-jährigen Soldaten gerade so passt. Einigen konnte ich helfen, trotzdem durchzukommen, weil ich möglichst lange dort stehenblieb um aufzupassen, was geschieht und einzugreifen. Sie mögen absolut keine beobachtenden Ausländer! Das ist manchmal eine Chance zur Hilfe!

 

Ein Höhepunkt dieses Schauspiels findet an jedem Morgen früh zwischen 4.00 und 6.00 Uhr statt. Zwischen 1.500 und 3.000 Männer, die eine Arbeitserlaubnis für Jerusalem haben, versuchen durch Mauer und Checkpoint zur Arbeit zu kommen. Einmal habe ich das erlebt!!! Je nach Willigkeit der israel. Soldaten dauert diese Prozedur zwischen 45 Minuten und 2 Stunden. Eine halbe Stunde "Pause" = Schließung der Tür genügt und die Schlange der Warteneden wächst ins unübersehbare. Alles regunglose Männer, die wortlos mit scheinbarer Geduld die Prozedur über sich ergehen lassen. Ein Wort der Erregung wäre das Ende. Doch was in ihnen vorgeht, verraten die Gesichter. Dann folgt der Arbeitstag, am Nachmittag ein ähnliches Drama beim Rückweg, ein bisschen kürzer. Und nach einem solchen 12-15 Stunden Tag vielleicht 15 - 25 Euro in der Tasche, um die Familie über Wasser zu halten. - Doch noch einmal: beschreiben lässt sich das nicht, nur selber erleben.

 

Am vergangenen Freitag (6.10.): um 9.00 wollen ein paar tausend Väter und einige Mütter mit ihren Kindern, junge und alte Menschen nach Jerusalem zum Freitagsgebet zur Moschee auf den Tempelberg, es ist ja Ramadan. Höchste Brutalität der Soldaten gegenüber den ruhig wartenden Menschen. Drei Stunden stehen sie. Zwischendurch werden Sie mehrfach mit ohrenbetäubenden Soundbombs und Tränengas beschossen. Jeeps fahren einfach in die Menschenmenge, die aber auf der kleinen schmalen Strasse entlang der Mauer hin zur kleinen Tür kaum Platz hat, auszuweichen. "Rambo"- so sein Spitzname, ausgestattet wie in einem Dschungeleinsatz mit Messer und Gewehr, ausgerechnet ein Deutscher, der vor 15 Jahren aus Berlin nach Israel eingewandert ist und sich jetzt hier austobt, tut "nur seine Pflicht", wie er mir aggressiv sagt und schreit die Menschen wie Tiere an. Er ist inzwischen wegen seiner bekannten Brutalität zu einem der Vorgesetzten am Checkpoint aufgestiegen - auch eine Art von Auszeichnung.

So viel Menschenverachtung und Demütigung von Menschen wie an diesem Tag habe ich persönlich noch nie erlebt - und doch weiss ich: es ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was täglich geschieht. Fast drei Tage bringe ich kaum einen Bissen hinunter. Vorgestern abend sagt man mir am Telefon, dass es heute noch viel mehr Menschen waren, dass zu allem schon bekannten noch die Schlagstöcke und Gummigeschosse eingesetzt und einige verletzt wurden.

 

Natürlich bekommen von all dem eventuelle Bethlehem-Pilger und Touristen nichts mit, da sie einen anderen Weg nach Bethlehem wählen können.
 

Zur Illustration  Bilder vom Checkpoint Bethlehem. Sarkasmus pur: es steht an der Mauer im Checkpoint auf Jerusalemer Seite auf einem Riesenplakat "Peace be with you - The Israel Ministery of Tourism" und am Tor von Bethelehem Richtung Jerusalem:

 

 

"Welcome to Jerusalem" - Und in den Gängen des Checkpoints wiederholt "Keep the terminal clean!" Kommentierung überflüssig.

3. Betroffen gemacht hat mich wieder die unbeschreibliche Gastfreundschaft der Menschen in Bethlehem und Hebron. Wenn Besuch kommt, wird das letzte gegeben, auch jetzt, in einer langandauernden Situation, wo so ziemlich jede Familie am letzten zehrt. Danke!

 

Dramatisch verschlechtert hat sich die Lage der Schnitzerfamilien. Durch das Ausbleiben der Touristen sind ihre Absatzmöglichkeiten völlig zum Erliegen gekommen. Es bleibt nur der Versuch, im Ausland ihre Schnitzereien anzubieten. Der Preis für das Olivenholz hat sich inzwischen in den letzten 5 Jahren vervierfacht, dazu kommen die hohen Transportkosten aus den nördlichen Teilen durch das vielfache Umladen an den Checkpoints im Land. So findet auch jetzte bereits im 5. Jahr unsere Hilfsaktion für über 40 Bethlehemer Schnitzerfamilien statt. Sie können helfen. Ich kann Ihnen genügend Möglichkeiten anbieten. Anfrage genügt.

Vieles ließe sich berichten, Eindrücke, Fakten, Erfahrungen, Begegnungen usw. aber: am besten, Sie fahren selber hin, werden Augenzeuge, lassen sich nicht von Medienberichten beeinflussen, hören selber zu, schauen hin, .....Die Menschen in Israel und besonders in Palästina warten auf Sie und Ihr Interesse.

Oder Sie lesen das neue Buch der israelischen Journalistin Amira Hass "Morgen wird es schlimmer"  - Dort finden Sie die menschlichen Alltagsdramen aus Palästina! Ich möchte Ihnen dieses Buch herzlich empfehlen (siehe unten!) !

Danke! P. R.

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