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Amerika, hör auf, vor
Israel zu kriechen!
Gideon
Levy, Haaretz
Barack Obama ist sehr
eifrig gewesen, dem jüdischen Volk zum
Neujahrsfest, Rosh Hashana die guten Wünsche zu
übermitteln und ein schmeichelhaftes Video zur
Konferenz des Präsidenten nach Jerusalem zu senden
und ein anderes zur Rabin-Gedenkrallye. Nur Sheikh
Hassan Nasrallah übertraf ihn …
Auf allen Videos häuft
Obama kitschiges Lob auf Israel, obwohl er sich
fast ein ganzes Jahr erfolglos darum bemüht hat,
Israel möge doch so freundlich sein, etwas zu tun –
eben mal das vorübergehende Einfrieren des
Siedlungsbaus – um den Friedensprozess
voranzubringen.
Der Nahostbeauftragte
des Präsidenten, George Mitchell war auch sehr
fleißig und flog hin und her zwischen einem
Begräbnis (des IDF-Soldaten Asaf Ramon, Sohn des 1.
israelischen Astronauten) und einer Gedenkrallye (
obwohl sie wegen Regen erst nächste Woche
stattfinden wird), um die Gunst der Israelis zu
gewinnen. Umfragen haben ergeben, dass Obama hier
immer unpopulärer wird, nur noch 6-10 % sind damit
einverstanden.
Er entschloss sich,
sich mit einem Video an die Israelis zu wenden, aber
eine beredsame Rede wird niemanden vom Ende der
Besatzung überzeugen. Er hätte dem israelischen Volk
einfach die Wahrheit sagen sollen . Die
Außenministerin Hillary Clinton, die gestern Abend
hier angekommen ist, wird ähnliche Gefühle zum
Ausdruck bringen: „Verpflichtung gegenüber Israels
Sicherheit“, „strategische Allianz“, „die
Notwendigkeit des Friedens“ und so weiter.
Kein anderes Land auf
dem Planeten fleht und kniet (vor Israel) wie die
USA. Bei anderen Unruheherden schlägt Amerika einen
anderen Ton an. Es bombardiert in Afghanistan, fällt
im Irak ein und droht mit Sanktionen gegenüber dem
Iran und Nordkorea. Hatte irgendwer in Washington
damals daran gedacht, Saddam Hussein zu bitten, sich
aus dem besetzten kuweitischen Gebiet
zurückzuziehen?
Aber Israel, der
Besatzer, der sture Nonkonformist, der Amerika und
der Welt weiter trotzt durch Siedlungsbau und
Schikanieren der Palästinenser, wird anders
behandelt. Noch eine Massage für das nationale Ego
in einem Video, noch mehr Lobhudelei in einem
anderen.
Es ist an der Zeit, den
USA zu sagen: genug der Schmeichelei!. Wenn Ihr
nicht bald den Ton ändert, wird sich nichts
verändern. So lange wie Israel das Gefühl hat,
Amerika in seiner Tasche zu haben und Amerikas
automatische Vetos es vor Verurteilungen und
Sanktionen rettet, und es bedingungslos massive
Hilfe erhält, kann es weiter Vergeltungsschläge und
tödliche Kampagnen ausführen; ohne ein strenges
Wort aus Washington, wird es weiter töten,
zerstören und gefangen nehmen. Wenn der Weltpolizist
nicht einschreitet, wird es in dieser Weise
weitermachen.
Illegale Handlungen wie
die Besatzung, die Siedlungserweiterung und
Offensiven, die mit Kriegsverbrechen verbunden sind
wie im Gazastreifen, benötigen andere Methoden. Wenn
Amerika und die Welt nach der „Operation
Sommerregen“ 2006, die 400 Palästinensern das Leben
gekostet und schwere Schäden in der Infrastruktur
verursachte, verurteilt hätte, dann wäre die
Operation Cast Lead wohl nie gestartet
worden.
Es stimmt zwar, dass im
Gegensatz zu allen anderen Unruhestiftern der Welt,
Israel als eine westliche Demokratie angesehen wird,
aber das Israel von 2009 ist ein Land, dessen
Sprache Gewalt ist. Anwar Sadat mag wohl der letzte
Führer gewesen sein, der unsere Herzen mit
optimistischen, hoffnungsvollen Reden gewonnen hat.
Wenn er Israel heute besuchen würde, würde er mit
Hohngelächter vom Rednerpult vertrieben werden. Der
syrische Präsident ersucht um Frieden, und Israel
weist ihn herzlos ab; die USA bittet um das
Einfrieren des Siedlungsbaus und Israel rümpft seine
Nase. Das geschieht, wenn es keine Konsequenzen
für Israels Untätigkeit gibt.
Wenn Clinton nach
Washington zurückkehrt, sollte sie für einen
scharfen Politikwandel gegenüber Israel eintreten.
Israels Herzen können nicht länger mit Hoffnung,
Versprechen für eine bessere Zukunft oder süßen
Worten gewonnen werden; denn dies ist nicht mehr
Israels Sprache. Um etwas zu verändern, muss Israel
verstehen, dass das Aufrechterhalten des Status quo
einen schmerzhaften Preis fordert.
Das Israel von 2009 ist
ein verwöhntes, arrogantes Land und davon überzeugt,
dass es alles verdient und dass es die Macht hat,
Amerika und die Welt zum Narren zu halten. Die
Vereinigten Staaten haben diese Situation erzeugt,
die den ganzen Nahen Osten und Israel selbst
gefährden . Deshalb ist im kommenden Jahr dringend
ein Wandel nötig . Washington muss gegenüber Israel
und der Besatzung endlich „Nein“ sagen, ein
unzweideutiges Nein des Präsidenten.
(dt. Ellen Rohlfs)
1.11.09
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1124928.html
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