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NAHOST-NACHRICHTEN
der “Jüdischen Stimme für gerechten
Frieden in Nahost” (Österreich)
Januar-Februar
2009
Diese Ausgabe der
“Nahost-Nachrichten” ist dem Andenken der vom israelischen
Militär in Gaza getöteten und verwundeten Kindern gewidmet.
(Anmerkung: Aus
der Fülle von Nachrichten, Artikeln, Presseberichten und
Reportagen, oft über unerträgliche Gewalttaten der
israelischen Streitkräfte währen ihres Angriffs auf die
wehrlose Zivilbevölkerung Gazas, können wie nur eine kleine
Auswahl von Ereignissen und Stellungnahmen wiedergeben. Die
Quellen kommen wie gewöhnlich aus dem Ausland, da die
österreichischen Medien, wie immer wenn es um den
Israel/Palästina Konflikt geht, im Vergleich zu anderen
Ländern, nur spärlich berichten.)
“Der entsetzliche
Blutzoll der Kinder in Gaza”, Rory McCarthy in “The
Guardian” (London), 24.01.2009.
(Anmerkung: Fast
dreihundert Kinder, von insgesamt 1.268 Todesopfern, wurden
während des israelischen Angriffs auf den Gazastreifen
getötet, eintausend verwundet, viele davon schwer, zahllose
traumatisiert. Der Artikel von Rory McCarthy berichtet über
die Geschichte und das traurige Schicksal von 10 Kindern. In
der englischen Originalfassung ist ein Photo jedes Kindes zu
sehen. Wir bringen einen kurzen Auszug aus dem Artikel.)
Lins Hassan, 10.
Ein Geschoss traf sie am Kopf und tötete sie auf dem Weg zu
einem Laden der neben der Schule der Vereinten Nationen war,
wo sie etwas einkaufen wollte. Sie war die Älteste von sechs
Geschwistern. Ihr Vater dazu: “War mein Kind in der Hamas?”,
eine Frage, die die Eltern der getöteten Kinder immer wieder
stellen….
Mohammed Shaqoura,
9. Getötet beim Beschuss der israelischen Armee auf die
Schule der Vereinten Nationen in Jabaliya. Er war gerade
dabei mit seinen Freunden daneben auf der Strasse zu
spielen. Mohammed lag mit einer Kopfwunde auf dem Pflaster,
als sein Vater ihn fand.
Amal Abed Rabbo,
2. Sie
wurde von israelischen Soldaten vor ihrem Haus im Dorf Izbit
bei Gaza erschossen. Zu Mittag befahlen Soldaten einer
Panzereinheit der Familie aus dem Haus zu kommen. Der Panzer
feuerte. Amal und ihre Schwester, Souad,7, waren sofort tot.
Ihre Schwester Samer, 4, wurde schwer verwundet. Sie ist
gelähmt und befindet sich in einem Spital in Belgien. Der
Vater: “Ich möchte von den Israelis wissen, warum sie meine
Töchter getötet haben”.
Shahed Abu Sultan,
8. Am 5.
Januar saß sie auf ihres Vaters Knien, ausserhalb ihres
kleinen Hauses im Flüchtlingslager von Jabaliya. Ein
israelischer Hubschrauber flog über das Haus und schoss
hinunter. Shahed wurde von einer Kugel im Kopf getroffen.
Der Vater: “Ich weinte ein Meer von Tränen. Shahed starb ein
Mal, aber ich sterbe eine Million Mal täglich.”
Mohammed Abu Eisha,
10, Saydd Abu Eisha, 12 und Ghaida Abu Eisha, 8. Am 5.
Januar um ein Uhr morgens traf eine Fliegerbombe das Haus
der Familie Eisha. Die Bombe explodierte im ersten Stock, wo
die meisten Familienmitglieder schliefen. Unter den Toten
waren diese drei Kinder. Überlebende fanden ihre Leichen und
die ihrer Eltern in den Trümmern des Hauses. Zwei weitere
Kinder überlebten, schwer traumatisiert.
Adham Mutair, 17.
Israelische Panzer hatten am 9. Januar mehrere Häuser in
Beit Lahiya umstellt. Die Bewohner waren bereits eine Woche
in ihren Häusern eingeschlossen. Adham stieg auf das Dach,
um die Tauben im Vogelhaus zu versorgen. Als er ins Freie
trat, trafen ihn drei Kugeln. Er starb am nächsten Tag im
Spital. Der Familie wurde die Teilnahme an seinem Begräbnis
verwehrt.
Mohammed Abu
Halima, 16 und Abdul Rahim Abu Halima, 14. Abdul wurde von
einer weißen Phosphorgranate, die sein Haus in Atatra traf,
getötet. Er starb zusammen mit zwei seiner Brüder, Zayed, 8
und Hamza, 6, seiner Schwester Shahed, 15 und dem Vater der
Kinder, Saad Allah, der sie mit seinen Armen zu schützen
suchte, als die Granate einschlug. Mohammed, Abduls Cousin,
wurde von israelischen Soldaten erschossen , als er seine
verletzten Verwandten aus dem brennenden Haus tragen wollte.
Jetzt, wo die
meisten Toten begraben sind und haben wir den ersten
Blutzoll des Angriffs vor Augen, vor allem den der Kinder
von Gaza, die über die Hälfte der 1,5 Millionen Einwohner
stellen. Die Auswirkungen werden auf Jahre fühlbar sein. Von
den über 4.000 Verletzten sind ein Viertel Kinder, von denen
einige schwer behindert bleiben werden. Es ist
vorauszusehen, dass die Hälfte der Kinder Gazas – 350,000 –
unter post-traumatischen Störungen leiden werden. Israel hat
jede internationale Kritik zurückgewiesen, dass seine
Streitkräfte ihre Feuerkraft übermäßig und wahllos
einsetzten. Premier Minister Olmert, darauf angesprochen:
“Jetzt redet man über Israels Grausamkeit. Der Angreifer
verursacht automatisch mehr Schmerz, als der Angegriffene.
Wir wollten diesen Feldzug nicht verlieren. Was wollen Sie –
sollten Hunderte unserer Soldaten fallen? Dies wäre die
Alternative gewesen.” Auf israelischer Seite gab es 13 Tote,
drei davon Zivilisten. In den letzten acht Jahren starben 20
Menschen in Israel als Folge der Raketenangriffe der
palästinensischen Kämpfer aus Gaza….
“Israel werden
Kriegsverbrechen vorgeworfen” Rory McCarthy in “The
Guardian” (London), 10.01.2009
Der ranghöchste
Beamte für Menschenrechte der Vereinten Nationen erklärte,
dass die israelischen Streitkräfte in Gaza Kriegsverbrechen
verübt habe könnten. Die Warnung kam, als Israel seinen
tödlichen Angriff in Missachtung der Resolution des
UN-Sicherheitsrates die Kampfhandlungen einzustellen,
fortsetzte. Navi Pillay, UN-Hochkommissar für Menschenrechte
verlangte eine “glaubwürdige, unabhängige und transparente
Untersuchung möglicher Verletzungen von
Menschenrechtsgesetzen“. Er gab als Beispiel einen Vorfall
an, bei dem in Zeitoun bei Gaza City in einem Haus 29
Palästinenser, alle Mitglieder der Großfamilie Samouni von
israelischen Soldaten getötet wurden. Dieser Vorfall – einer
der schwerwiegendsten – sagte Pilavy, ehemaliger Richter
beim Internationalen Gerichtshof und aus Südafrika stammend,
“scheint alle Elemente eines Kriegsverbrechens in sich zu
vereinigen…. es ist die Pflicht seitens der Soldaten, nach
internationalem Recht, Zivilisten zu schützen, nicht wahllos
zu töten und Verwundeten zu helfen.” Israels Militärbehörden
behaupten, keine Kenntnis von diesem Vorfall zu haben,
jedoch solle er untersucht werden.
(Anmerkung: Umso
bekannter ist dieser tragische Vorfall der deutschen und
französischen Presse. Die “Süddeutsche Zeitung” vom
26.01.2009 (wie auch “Le Monde” (Paris) vom 24.01. und “Le
Nouvel Observateur” (Paris) vom 29.01. – 06.02.) berichtet:
“Salah al-Samouni, der 30-jährige Lastwagenfahrer, steht im
Stadtteil Zeitoun zwischen den Trümmern, einen Verband um
den Kopf. Es riecht nach Verwesung. Tote Hühner, Tauben,
Eselskadaver liegen zwischen den Schutthaufen, die einmal
Häuser waren… Nun steht hier ein Trauerzelt für
Kondolenzbesucher, aus dem Lautsprecher kommen klagende
Koranverse. Ein Plakat hängt am Zelt mit 29 Namen. Sie
lauten alle Samouni. Die Großfamilie hat traurige
Berühmtheit erlangt: beim Einschlag einer israelischen
Rakete in eines der mit Alten, Frauen und Kindern vollen
Häuser wurden 22 Menschen gleichzeitig zerrissen. Sie
gehörten alle zur Familie. Die anderen sieben starben in
Nebenhäusern. Die Samounis waren von israelischen Soldaten
aufgefordert worden, sich in einem Haus zu versammeln. Zu
ihrem Schutz. Weshalb in dieses Haus dennoch eine Rakete
einschlug? Salah al-Samouni weiß es nicht. Er sagt: “In
unserer Strasse waren keine Hamas-Kämpfer”. In dem Haus aber
waren seine Mutter, sein Vater, seine zweieinhalbjährige
Tochter. Dazu ein Onkel, Cousins und Cousinen.”
Amnesty
International und mehrere NGOs stellen Beweismaterial für
Kriegsverbrechen zusammen. Die Palästinensische
Autonomiebehörde appelliert an den Internationalen
Strafgerichtshof. In mehreren europäischen Ländern bereiten
Juristen Anklagen vor. Israel scheint dies Ernst zu nehmen.
Premier Minister Olmert versprach Soldaten und Offizieren
Rechtsbeistand. Mitglieder der Armeespitze müssen vor
Auslandsreisen die Erlaubnis der Regierung einholen, da sie
in mehreren Ländern gerichtlich belangt werden könnten.)
“ Untersuchungen
in der israelischen Armee : sie kann die Zerstörung von
Häusern in Gaza nicht rechtfertigen” , Amos Harel in
“Haaretz” (Tel Aviv), 15.02.2009
In Untersuchungen
zur Offensive gegen den Gazastreifen wird gewarnt, dass die
Armee in große Schwierigkeiten kommen könnte, das Ausmaß der
Zerstörung von Wohnhäusern zu rechtfertigen. Aus einer
Militärquelle geht hervor, dass “in einem Teil des
Kampfgebietes unermessliche Schäden verursacht wurden, die
nur sehr schwer gerechtfertigt werden können, besonders wenn
Rechtfertigung in Rechtsverfahren internationaler
Organisationen verlangt wird.” Im Laufe des Angriffs
zerstörte die Armee Hunderte Häuser in verschiedenen
Gegenden. Nach palästinensischen Schätzungen handelt es sich
um mehrere tausend Häuser, zerstört durch Luft- und
Bodenangriffe, durch Bulldozer oder durch Explosionen, die
von Armeekommandanten befohlen wurden. In rechtlichen
Verfahren bezüglich ziviler Todesopfer beruft sich die Armee
auf “Kollateralschäden” oder verfehlte Ziele. Untersuchungen
zeigen ferner, dass in vielen Fällen Kommandanten
Zerstörungen angeordnet hatten, weil Wohnhäuser die
“Aussichtslinie” von Armeestellungen behinderten.… In
Dutzenden Fällen wurden Häuser auf bloßen Verdacht hin
zerstört, auch wenn sich dieser als grundlos erwies, da sich
unter ihnen Tunnels befinden konnten. Ein Sprecher der
Rechtsabteilung der Armee erklärte, dass sich ”die
Rechtfertigung solcher Fälle als sehr schwer erweisen
würde.”
(Anmerkung: der
Ausdruck “Kampfgebiete” sowie jeder Bezug auf Kämpfe sind
ein Hohn, da es ja kaum gegnerischen Widerstand gab. Von den
13 israelischen Soldaten, die bei dem Angriff auf Gaza ums
Leben kamen, wurden mehrere durch Feuer aus eigenen Reihen
getötet, wie selbst die Armee zugibt.)
“Die israelische
Gesellschaft droht durch den Krieg zu verrohen”, Michael
Borgstek in “WeltOnline”, 13.01.2009
Der Krieg schweißt
die Nation zusammen. Mit überwältigender Mehrheit
unterstützt die israelische Bevölkerung den Angriff auf
Gaza. Und dies trotz alltäglicher Gewalt, traumatisierten
Soldaten und der vielen zivilen Todesopfer in Gaza. Viele
Israelis haben ihren moralischen Kompass und ihre Fähigkeit
Mitleid zu empfinden verloren…. Wenn eine Armee ihren
moralischen Kompass verliert, ist es nur eine Frage der
Zeit, bis auch die Gesellschaft verrohe, fürchtet Jael
Pas-Melamed, linksliberale Kolumnistin der Tageszeitung “Maariv”:
“In dieser “Checkpointkultur” sind die Soldaten allmächtig….
so ist das in einem Besatzungsregime”. Mit ihrer
Abschlussarbeit in klinischer Psychologie hat Nufer
Jischal-Karin in Israel viel Staub aufgewirbelt. Für ihre
Studie führte sie lange Gespräche mit 21 Soldaten, die sie
aus ihrer Militärzeit kannte… Was sie ihr erzählten, war
erschreckend, ihr Bericht gleicht einem Horrorroman… Nufer
kam zum Schluss: “An einem bestimmten Punkt ihres
Militärdienstes hat die Mehrheit der Befragten es genossen,
anderen Menschen Gewalt zuzufügen.” Jonathan W. wandte sich
nach seiner Entlassung an die Organisation “Schowrim Schtika”
(Das Schweigen brechen), um das Erlebte zu Protokoll zu
geben. Mehr als 500 Zeugenaussagen von Soldaten hat die
Organisation gesammelt. Es sind fürchterliche Geschichten
darunter… Jonathan W.: “Ich war zwar nicht gewalttätig, ich
habe es aber nicht gemeldet, als ein Kamerad auf dem
Wachposten aus Langeweile mit scharfer Munition versuchte,
den Fußball spielender palästinensischer Kinder zu treffen
und dabei einem Buben ins Bein schoss…ich war 19 und war von
mir selbst schockiert…”
“Die Zeit der
Selbstgerechten”, Gideon Levy in “Haaretz” (Tel Aviv),
10.01.2009 (übersetzt von Andrea Noll)
Dieser Krieg legt
– vielleicht mehr als seine Vorgänger – die wahren
grundlegenden Lebensadern unserer israelischen Gesellschaft
bloß. Rassismus, Hass, Blutdurst und der Impuls, sich zu
rächen, spuken in den Köpfen herum. Militärkorrespondenten
beschreiben es im Fernsehen so: “Der “Kommandeur”, die
Armee, ist darauf aus, so viele wie möglich zu töten”.
Selbst wenn sich dieser Satz auf die Hamas-Kämpfer bezieht,
ist er Gänsehaut erregend. Ungezügelte Aggression und
Brutalität geschehen unter dem rechtfertigendem Vorwand, man
gehe eben “vorsichtig” vor. Das erschreckende
Opfermissverhältnis – auf jeden getöteten Israeli kommen 100
getötete Palästinenser – wird nicht in Frage gestellt. Es
ist, als hätten wir uns entschieden, dass unser Blut
hundertmal mehr wert ist als deren Blut. Das passt zu
unserem inhärenten Rassismus. Selbstgerechte, Nationalisten,
Chauvinisten und Militärs sind die Einzigen, die hier
legitimerweise den Ton angeben. Lasst uns doch mit
Menschlichkeit und Mitleid in Ruhe! Nur am Rande des Lagers
ist die Stimme des Protestes zu hören – von einer Gruppe
mutiger Juden und Araber. Diese Stimme gilt als illegitim,
isoliert und wird von der Medienberichterstattung ignoriert.
Daneben ist eine
weitere Stimme zu vernehmen – womöglich die schlimmste. Es
ist die der Selbstgerechten, der Heuchler. Diese Woche
schreibt mein (Haaretz)-Kollege Ari Shavit einen Artikel, in
dem es u.a. heißt: “Die israelische Offensive in Gaza ist
gerechtfertigt… Nur eine sofortige, generöse humanitäre
Initiative kann beweisen, dass wir uns selbst während eines
brutalen Krieges, der uns aufgezwungen wurde, daran
erinnern, dass auch auf der anderen Seite Menschen sind.”
Will Shavit, dass wir killen, killen, immer weiter killen –
um hinterher Feldlazarette aufzustellen? Ihm ist klar, dass
ein Krieg gegen diese hilflose Bevölkerung – gegen die
vielleicht hilfloseste Bevölkerung auf Erden, weil sie
nirgendwohin fliehen kann, – dass ein solcher Krieg nichts
als grausam und ekelerregend ist… Wir schießen und weinen,
wir töten und lamentieren… Wem Blut an den Händen klebt,
kann keine Hilfe leisten. Aus Brutalität kann kein Mitleid
sprießen… Es gibt immer noch Leute, die wollen, dass die
Kriegsverbrechen fortgeführt werden und fühlen nicht die
Schwere der Schuld, die sie eigentlich empfinden müssten…
Jeder, der diesen Krieg rechtfertigt, rechtfertigt auch alle
Verbrechen dieses Krieges. Jeder, der diesen Krieg als
Selbstverteidigung sieht, hat die moralische Verantwortung
für dessen Folgen zu tragen…
“Der Hamas eine
Lektion erteilen zu wollen ist ein großer Irrtum”, Tom Segev
in “Libération” (Paris), 30.12.2008
….Israel zieht
noch und noch Kriege aus seinem Hut, einen nach dem anderen…
Israel will den Palästinensern eine Lehre geben, – ein
Leitmotiv, das den Zionismus seit seinen Anfängen begleitet.
Wir repräsentieren Fortschritt und Aufklärung, sind eine
erwählte und moralische Nation, während die Araber eine
primitive und gewalttätige Horde sind, ignorante Kinder, die
erzogen werden müssen… Das Ziel der Bombardierung Gazas ist
es, das Regime der Hamas auszumerzen. Israel hat schon immer
geglaubt, dass die Palästinenser leiden müssen, um sich
gegen ihre nationalen Führer aufzulehnen, eine Annahme, die
sich jedes Mal als falsch erwiesen hat… Die Hamas ist keine
terroristische Organisation, die die Bevölkerung von Gaza in
Geiselhaft hält, sie ist eine nationalistische religiöse
Bewegung, die die Mehrheit der Gazaner unterstützt…Seit
Beginn des Zionismus haben niemals militärische Aktionen
seitens Israel den Dialog mit den Palästinensern
weitergebracht… Statt Gaza zu blockieren, sollte das Gebiet
dem Westjordanland geöffnet werden, auch um altes Projekt zu
verwirklichen, nämlich dort Familien aus dem überfüllten
Gazastreifen ansiedeln zu können. Das palästinensische
Westjordanland ist aber von Israel für jüdische Siedler
vorgesehen…
“Israels Lügen”,
Henry Siegman in “The London Review of Books” , Januar 2009.
Westliche
Regierungen und die meisten westlichen Medien haben fraglos
Israels Rechtfertigung für einen Angriff auf Gaza
akzeptiert, z.B. dass die Hamas den monatelangen
Waffenstillstand gebrochen hätte und dass daher Israel keine
andere Wahl blieb als aus Selbstverteidigung die Hamas zu
vernichten…. Jede der Behauptungen Israels ist eine Lüge.
Nicht die Hamas, sondern Israel brach den Waffenstillstand.
Die Hamas hatte sich verpflichtet den Raketenbeschuss auf
Israel einzustellen, wenn im Gegenzug Israel die Blockade
des Gazastreifens lockert. Doch im Gegenteil : Israel
verschärfte die Blockade, was nicht nur von neutralen
Beobachtern und NGOs vor Ort bestätigt wurde, sondern auch
vom ehemaligen Kommandanten der Gaza Division Brigadegeneral
(in Res.) Shmuel Zakai. Er beschuldigte Israel während
dieser Zeit den Fehler gemacht zu haben, statt die
wirtschaftliche Lage der Bevölkerung Gazas zu verbessern,
sie verschlimmert hatte… Am 4. November 2008 brach Israel
den Waffenstillstand, als eine Armeeeinheit in Gaza eindrang
und sechs Palästinenser tötete. Die Hamas erneuerte den
Raketenbeschuss, bot aber Israel dessen Einstellung an,
unter Bedingung des Beendens der Blockade. Israel weigerte
sich. Es hätte seinen Bürgern im Süden die Raketen ersparen
können… hatte aber einen Angriff auf Gaza bereits seit
Monaten geplant…Israel möchte der Welt vormachen, dass die
Hamas Raketen abschießt, weil es das ist, was Terroristen
eben tun. Die Hamas ist aber nicht mehr “Terrororganisation”
als die zionistische Bewegung gegen die Briten um einen
unabhängigen Staat kämpfte und terroristische Gruppen in
ihren Reihen hatte. Warum ist die israelische Führung so
darauf aus die Hamas zu vernichten? Sie weiß, dass die Hamas
– anders als die jetzige Fatah – nicht zu einem
Friedensabkommen gezwungen werden kann, das hauptsächlich
den Interessen Israels dient und das einen palästinensischen
“Staat” vorsieht, der aus unzusammenhängenden Enklaven
besteht, die permanent unter israelischer Kontrolle stehen…
(Anmerkung : Henry
Siegman ist Direktor des “US Middle East Project” in New
York und Gastprofessor an der Universität London. Er ist
ehemaliger Direktor des “American Jewish Congress” und des
Synagogenrates Amerikas. Ein Musterbeispiel dafür wie
Menschen ihre Standpunkte und Einstellungen grundlegend
ändern können!)
“Operation
Straffreiheit. Israel radiert Palästina Schritt für Schritt
von der Landkarte: zu seiner Rechtfertigung produziert der
Staatsterrorismus Terroristen, sät Hass und erntet Alibis”,
von Eduardo Galeano.
(Anmerkung :
Eduardo Galeano ist uruguayischer Schriftsteller und
Journalist. Diesen Artikel widmet er seinen jüdischen
Freunden, die von den lateinamerikanischen Diktaturen
ermordet worden sind, die Israel beraten hat.)
17.01.2009. Seit
1948 sind die Palästinenser zu einer lebenslangen würdelosen
Unterwerfung verurteilt. Sie haben ihre Heimat verloren, ihr
Land, ihr Wasser, ihre Freiheit, ihr alles. Ihnen wird nicht
einmal zugestanden, die eigene Regierung zu wählen. Wenn sie
diejenigen wählen, die sie nicht wählen dürfen, dann werden
sie bestraft. Gaza wird bestraft. Der Landstreifen ist zu
einer Mausefalle geworden, seitdem die Hamas in sauberer
Weise die Wahlen im Jahr 2006 gewonnen hat… Die
Palästinenser sind Kinder der Ohnmacht selbstgebauter
Raketen, die von den in Gaza eingekesselten Hamas-Aktivisten
mit ungeschickter Zielgenauigkeit in Richtung des Landes
abgeschossen werden, das ihnen einmal gehört hat… Es gibt
nur noch ganz wenig Palästina. Israel radiert es Schritt für
Schritt von der Landkarte. Die Siedler dringen ein, hinter
ihnen folgen die Soldaten und ziehen laufend die Grenzen
nach. Die Kugeln heiligen dann den Raub als gerechtfertigte
Verteidigung.
Es gibt keinen
aggressiven Krieg, der sich nicht auf das Recht der
Verteidigung berufen hätte. Hitler hat Polen überfallen, um
zu verhindern, dass Polen Deutschland angreift, Bush den
Irak, damit dieser nicht die Welt angreift. Bei jedem seiner
“defensiven” Kriege hat Israel ein Stück Palästina
verschlungen, und die Mahlzeiten werden fortgesetzt. Das
Verschlingen wird mit Eigentumsansprüchen aus der Bibel
begründet, mit der 2000-jährigen Verfolgung des jüdischen
Volkes und wegen der Panik, die die aufmüpfigen
Palästinenser verursachen.
Israel ist das
Land , das niemals die Empfehlungen oder Resolutionen der
Vereinten Nationen befolgt. Es setzt sich über alle
Verurteilungen internationaler Gerichte hinweg. Es spottet
über das internationale Recht. Es ist auch der einzige
Staat, der die Folterung von Gefangenen legalisiert hat. Wer
hat diesem Land die Rechte eingeräumt, alle Rechte
ignorieren zu dürfen? Woher kommt die Straffreiheit, mit der
Israel das Gemetzel in Gaza durchzieht? Die spanische
Regierung hätte unmöglich straffrei das Baskenland
bombardieren können, um die ETA zu zerschlagen. Oder die
britische Regierung Irland? Ist die Tragödie des Holocaust
etwa eine Zusicherung ewiger Straffreiheit?
Existiert die
internationale Gemeinschaft überhaupt? Ist das mehr nur als
ein Klub von Händlern, Bankiers und Heeresführern?
Angesichts der Tragödie von Gaza übt sich die Welt in
globaler Heuchelei… |