|
Ein Traum der Realität geworden, Gene, Gedanken, Aktionen,
bewusstes Gestalten, Wille oder ein Zufall ich weiß es nicht so genau, weiß
auch nicht warum.....ich wurde im Juni 1941 geboren.
Ein Kind sah wie es Kinder sehen: Sonne, Haus, Baum und
später Sterne, ich wusste erst später was war Kulisse, was dahinter war. Da
ich keine schöne Kindheit hatte, verdränge ich sie wohl und so habe ich gar
nicht soviel Erinnerungen. Was in meiner Erinnerung blieb ist meist nicht so
positiv. 1941, das heißt auch für mich, Krieg. Ich konnte noch miterleben
dass auf meiner Straße, vor meinem Haus zerlumpte Kriegsgefangene die
Straße entlang getrieben wurden. Ich wahr etwa drei Jahre alt und habe es
als ungewöhnlich in Erinnerung behalten.
Ich höre noch auch immer das brummen der Flugzeuge vor denen
wir uns unter Betten versteckten sie brachten Tod, mir zum Glück nur ein
aufgeschnittenes Knie beim Fallen über die Ziegel eines zerbombten Stalles
nebenan. Ich behielt eine Kriegswunde, eine bleibende große Narbe am Knie.
Mein Vater, der vor dem Krieg sich eine kleine Gießerei aufgebaut hatte war
„zum Glück?“ nicht so regimetreu wie andere, bekam keine Aufträge, musste
die Firma schließen. Er wurde Soldat, später Frührentner, wir waren arm und
damit wuchs ich auf, soweit ein Nachkriegskind überhaupt „gut“ versorgt
wurde.
Wer war ich da, ein träumendes Kind von der Mutter abgeschirmt „bleib
lieber hier“ heute würde man sagen wir lebten in einem sozialen Brennpunkt.
Vor den Kindern ringsherum erfuhr ich später was Strafanstalten
waren, fast alle hatten Erfahrungen damit.
Unwissend spielte ich mit meinem Unterbewusstsein bewegte
mich aus dem Unbewusstsein heraus. Las Wildwestromane, fand sie irgendwann
langweilig, las „Der Graf von Monte Christo“ und anderes. Fand in der
Stadtbücherei Bücher über Kant, Nietzsche. Las mich quer durch die
Philosophie, war an Soziologie interessiert, Politik, Religionen, sehr auch
an Psychologie und Kunst, saugte alles auf wie ein Schwamm.
Schulbildung, wir waren arm, daran dachte keiner. Rechts war
ein Stromwerk, aber ich war nicht schwindelfrei, links war eine
Maschinenfabrik, also lernte ich Metall zu drehen und versteckte mich in der
Tür des Spindes und schrieb Gedichte, den Metallteilen bekam das nicht
immer gut.
Daran erinnere ich mich noch, es gab Nächte wo ich nicht zum schlafen kam,
weil mir alle zehn Minuten wieder ein Text einfiel. So wie man, zur
Toilette gehen muss, so musste ich schreiben, etwas in mir wollte raus nach
oben. Lesen, suchen finden weiter gehen. Irgendwie ließ ich mich
unbewusst nach oben treiben, trieb, es trieb, führte mich. Eigentlich ohne
Hilfe, Schulung... Da war die Bibliothekarin der ich aufgefallen
war,......kurze Zeit war ich bei ihr in einem Kreis von Studenten die
"wissenschaftlich" meine Gedichte analysierten und meinten es sei Kunst.
Ohne das mir ein Ziel bewusst war bildete formte ich mich selber.
Dann, ich war 16 starb mein Vater, ich war wenigstens in
dieser Phase (eigentlich auch später) „Familienoberhaupt“ erledigte die
Beerdigungsformalitäten, alleine.
Mein Großvater, ein in seiner Stadt politisch sehr engagierter Mann , einer
der wenigen Ehrenbürger der Stadt aber kein Familienmensch, kam nur einmal
eine Viertelstunde zu uns und fragte mich „kommt ihr zurecht“ Ich verkniff
mir meine Trauer und meine Tränen und sagte nur Stolz „wir kommen schon
zurecht“
Dann beginnt das erwachen. Ich zeichnete Blätter,
Landschaften, Gesichter, skurrile tierähnliche Figuren. Stuhlbeine wurden in
Figuren verwandelt, gestalten, malen, zeichnen, schreiben, modellieren, sich
selber nah zu sein, mich zu sehen, zu fühlen, zu erfahren, sich mitzuteilen
glücklich sein über das Erreichte. Es war die Zeit der „Unschuld“ wo ich
etwas formte und einfach glücklich darüber war, kritiklos.
Ich beendete meine Lehre
als Dreher und war ungezielt unzufrieden mit meinem Leben. So begann ich auf
der Abendschule eine Technikerausbildung. Es war mir zuwenig, also wurde in
der Abendschule „die mittlere Reife nachgeholt“, ich wollte Ingenieur
werden. Während ich dann alle nötigen Praktika absolvierte, besuchte ich
Malkurse und Kurse in denen mit Ton gearbeitet wurde. Ich hatte das Glück,
das dort eine ausgebildete Bildhauerin und ein Maler die Kurse leitete.
Damals wusste ich nicht so recht warum, beide bestätigten mich darin Kunst
zu studieren.
Es viel mir schwer mich zu entscheiden, Kunst, das war weit weg von dem was
ich bisher beruflich machte. Es dauerte Wochen und dann hatte ich mich
entschlossen und es nie bereut. Trotz eines sehr intensiven Studiums
öffnete sich die Tür zum Paradies für mich.. Mein eigentliches Leben
begann wirklich auf dem Fundament einer nicht sehr glücksvollen Jugend.
Mein Kunststudium beendete ich 1969. Da ich ja „Künstler werden wollte“ war
mir der Abschluss egal, ich machte ihn aber. Mein Professor war es dann der
für mich herumging und Noten sammelte. Ich schloss mit einer eins ab, was
mich nicht sehr berührte.
Erst später, als meine pädagogische Ader immer stärker wurde war ich
dankbar, weil ich damit ohne Problem alles was ich wollte an der Uni
studieren konnte. Das war dann Gesellschaftswissenschaft und
Erziehungswissenschaft. Erstaunlich fand ich autodidaktisches Wesen, da
volle Angst zu versagen sein Studium begann, das ich eigentlich mit der
linken Hand, neben Familie (schwerstbehindertes Kind) und Berufstätigkeit
als Lehrer studieren konnte. Ich hatte gelernt zu gestalten, ......kreativ
zu sein,........ dies ins Leben umzusetzen
Was die Erwachsenen scheinbar so einfach als richtig hinnahmen fühlte ein 3
jähriges Kind als falsch unnormal. Kinder haben Empfindungsmöglichkeiten die
wir verloren haben. Ich habe noch das Bild in mir, es wurde eine große
Gruppe von Menschen, wie ich später erfuhr Kriegsgefangenen, wie Tiere durch
die Stadt getrieben. Wenn die Aufseher es nicht merkten bettelten sie an den
Fenstern, das weiß ich auch noch. Wie ich später erfuhr, sind Tausende
verhungert.
Ich habe auch nie den Leuten nach dem Mund reden können. So war es wohl auch
bei meinem Vater. Das mögen die meisten nicht, man wird abgestraft.
Da muss ich an einen Architekten erkennen, der in Iserlohn großen Einfluss
hatte. Anlässlich einer Ausstellungseröffnung sah ich ihn mit dem
Bürgermeister vor einer meiner Arbeiten stehen, er erklärte sie dem
Bürgermeister. Ich ging hinzu und man frage mich, wie ich den die Plastik
interpretiere. Es war ein geometrischer Würfel, der aufgebrochen war, aus
ihm heraus wuchsen Keime, Pflanzenteile. Ich sagte den beiden, dass ich beim
entwerfen der Plastik sehr an Architektur gedacht hätte. Wünschen würde ich
mir, dass ähnlich wie aus der aufgebrochene Form die geometrischen Formen
wachsen auch aus den meisten Gebäuden organische Formen wachsen würden um
die kalten traurigen fantasielosen Bauwerke interessanter zu machen.
Seit der Zeit habe ich es besonders dem Architekten zu verdanken,
dass ich keinen Bauauftrag mehr bekommen habe.
zurück zur vita |